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Eine Beleidigung für Amerika

Donald Trump bedient in seinem Wahlkampf niedrigste Instinkte. Eine Beleidigung für Amerika

Amerikas Konservative sind tief gefallen. In der Nacht zum Freitag konnten sie sich einmal mehr davon überzeugen, was es bedeutet, eine einst so stolze Partei über ...

Amerikas Konservative sind tief gefallen. In der Nacht zum Freitag konnten sie sich einmal mehr davon überzeugen, was es bedeutet, eine einst so stolze Partei über Jahre verkommen zu lassen: Die Basis jubelt einem Verführer zu, der weder vor reihenweisen Falschbehauptungen noch vor Rufmord zurückschreckt. Donald Trump ist eine Gefahr für sein eigenes Land, und er ist eine Bedrohung für die westliche Welt.

 

OZ-Bild

Von Stefan Koch

Was der neue Spitzenkandidat der Republikaner ablieferte, lässt sich kaum als politische Rede bezeichnen. Er brüllte seine düsteren, ja apokalyptischen Botschaften heraus, als würde die größte Volkswirtschaft vor dem Untergang stehen. Das Bild, das Trump von Amerika zeichnet, strotzt vor Verzerrungen und Übertreibungen. Umso erschreckender ist die Begeisterung der Delegierten. Die aufgepeitschte Masse forderte allen Ernstes die Inhaftierung von Hillary Clinton. Geht es nach den 50 000 Gästen in Cleveland, stehen die Vereinigten Staaten nicht vor einem politischen Neubeginn unter einem Präsidenten Trump, sondern am Vorabend einer Revolution.

Nun sollte man auf die Stimmung auf US-Parteitagen nicht allzu viel geben. Sie gehört zur Folklore des Wahlkampfs, die als Barometer für das gesamte Land wenig taugt. Ein Politiker ohne Showtalent hat auf der Bühne, während Millionen Menschen live im Fernsehen zuschauen, nun einmal keine Chance. Und Donald Trump, der langjährige Reality-TV-Star, weiß mit den Fernsehkameras perfekt umzugehen.

Doch der schillernde Geschäftsmann fährt einen düsteren Kurs, der eigentlich völlig unamerikanisch ist. Zugleich spielt der Demagoge mit den niedrigsten Instinkten. Sein Erfolg kommt allerdings nicht von ungefähr: Der 70-Jährige sammelt all die Verängstigten ein, die sich über Jahre von der überdrehten Propaganda der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung einnebeln ließen.

Für Deutschland und Europa bedeutet das nichts Gutes: Trumps leichtfertige Drohung, die Nato auf den Prüfstand zu stellen, beschädigt das Bündnis und verstärkt die Unsicherheit – ganz gleich wer im November gewinnt. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Krisen in der Türkei und im Nahen und Mittleren Osten den Westen vor besondere Herausforderungen stellen, schwächt der Quereinsteiger die transatlantische Zusammenarbeit. Es steht zu befürchten, dass sich umstrittene Staatsführer wie Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, die sich zum Teil über das Wechselspiel mit dem Westen definieren, in ihrem autoritären Gebaren bestärkt fühlen.

Donald Trumps Rede zur Nominierung markiert erst den Beginn des US-Wahlkampfes. Doch schon heute sind sein Spiel mit den Ängsten der Menschen und sein Mangel an seriösen Antworten auf die großen Fragen der Zeit eine Beleidigung für die unzähligen Amerikaner, die leidenschaftlich für eine bessere Zukunft kämpfen.

OZ

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