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„Es geht nicht darum, die Erinnerung an Arndt zu tilgen“

„Es geht nicht darum, die Erinnerung an Arndt zu tilgen“

Rektorin Johanna Weber zum Streit um die Ablegung des Namenszusatzes „Ernst Moritz Arndt“ an der Universität Greifswald

Universitäten sind Orte der Innovation. In der aktuellen Diskussion um die Namensgebung für die Universität Greifswald hilft eine Besinnung auf die Kernaufgaben einer Universität: durch Forschung neues Wissen zu schaffen und immer wieder neue Generationen von jungen Menschen – mit dem neuen Wissen ausgestattet – zu wissensbasierten Tätigkeiten in der Gesellschaft zu befähigen. Ihrer Bestimmung nach das Neue suchend, sind Universitäten primär Orte des Wandels. Im Wissen um historische Entwicklungen und die historische Bedingtheit wissenschaftlichen Fortschritts fühlen sich Universitäten jedoch zugleich der Geschichte verpflichtet. Sie bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Tradition einerseits und dem beständigen Streben nach neuen Erkenntnissen andererseits.

Universitäten werden geprägt von ihren Studierenden, Forschenden und Lehrenden. Auf der Grundlage der grundgesetzlich geschützten Freiheit von Forschung und Lehre und der sich daraus ableitenden Hochschulautonomie wird das Ausmaß an Tradition und Wandel stets aufs Neue ausgehandelt. Keine Generation kann dabei beanspruchen, ihr Verständnis von einer Universität und ihre Leitbilder auf Dauer zu fixieren. Das galt für ältere Generationen ebenso, wie es für die gegenwärtige Generation gilt und für künftige Generationen gelten wird.

Wenn nun das höchste Gremium der akademischen Selbstverwaltung mit der notwendigen Zwei- Drittel-Mehrheit beschlossen hat, dass die Universität Greifswald ihren Namenszusatz „Ernst Moritz Arndt“

künftig nicht mehr führen soll, dann zeigt sich darin auch ein Wandel im Selbstverständnis neuer Generationen, der sich bereits seit längerem angedeutet hat. Dabei geht es nicht um die Tilgung der Erinnerung an Ernst Moritz Arndt, der eine bedeutende Persönlichkeit in der Geschichte unserer Universität ist und bleiben wird, sondern um das Bedürfnis, als eine in ständigem Wandel begriffene Institution nicht mit einer bestimmten historischen Persönlichkeit identifiziert zu werden.

Eine Universität „gehört“ nicht einer oder wenigen Generationen. Es ist für jede Generation schmerzhaft zu erleben, dass nachfolgende Generationen anders denken und fühlen und die eigene Wahrnehmung nicht mehr teilen. Da mag die Einsicht trösten, dass auch die gegenwärtige Sicht in Zukunft durch andere Perspektiven abgelöst werden wird. Universitäten überdauern die Geschichte, weil sie sich wandeln. Sie sind keine Museen, sondern Stätten andauernder Innovation.

OZ

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