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Fehldiagnose

Sind Ostdeutsche „veränderungsmüde“? Fehldiagnose

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mag klare Worte. So auch diesmal: Viele Ostdeutsche seien „veränderungsmüde“, deshalb verrohe die politische Diskussion, ...

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mag klare Worte. So auch diesmal: Viele Ostdeutsche seien „veränderungsmüde“, deshalb verrohe die politische Diskussion, diagnostizierte er in einem Interview. Soll wohl heißen: Statt angemessen schläfrig zu sein und sich auszuruhen, gehen sie zu Merkel-Wahlkampfauftritten und pöbeln drauflos, was das Zeug hält.

Das hat der Minister wahrscheinlich nicht abwertend gemeint – aber genauso kommt es an, wie die negativen Reaktionen aus der Schweriner Landespolitik zeigen. Unbewusst unterstellt er den Einwohnern der nicht mehr ganz so neuen Bundesländer geistige Trägheit. Frei nach dem Motto: ,Die haben gerade erst einmal die Wende hinter sich, lasst sie in Ruhe, mehr ist nicht drin.’ Das ist Quatsch. Die meisten Leute im Osten dürften besser auf Umbrüche eingestellt sein – gerade weil sie 1989 die Erfahrung machten, wie schnell sich alles ändern kann.

Der Frust hat andere Ursachen: Denen, die auf den Marktplätzen schreien, ist das Vertrauen zu de Maizière und anderen Politikern abhandengekommen – falls es je da war. Das Pöbeln kam mit den sozialen Medien in die politische Debatte. Ist nicht schön, Politiker müssen das aber aushalten. Und für Vertrauen sorgen.

OZ

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Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Umfrage, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Umfragen" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Umfragen“ 2015-09-23 de MEINUNG Aktuelle Umfrage Ihre Meinung zählt: Geben Sie ein Votum ab zu aktuellen Themen aus Politik, Wirt- schaft und anderen Gebieten. Alle Umfragen auf einen Blick finden Sie hier.