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Fell versupen mit Gesang

Fell versupen mit Gesang

Plattdeutsche Heimatkunde von Wolfgang Mahnke

Dit Beläwnis harr’k an ein’n kollen Rägendag in’n März in ein Dörp bi Tessin. Mien Fru un ick wullen uns dor in’n Kraug drapen. Ick set allein an ein’n Disch in dei grot Gaststuw. Mollig warm wier dat hier. Dei Wirt harr mi ’n Grog bröcht. Wenn hei bi’t Zeitungläsen ümbläderte, raschelte dat ’n bäten, süss würd dei Rauh dörch nix nich stürt. Oewer denn kemen Gäst, ein Truergesellschaft. Alls öllerige Lüd üm sösstig, kein Kinner.

Dat wier woll ’n schworen Afschied wäst, denn dei Mannslüd güngen wat vörnoewer bögt, as harrn sei noch denn’ Sarg up ehr Schullern un dei Frugenslüd hulten un wischten sick gägensietig ehr Tranen af. An denn’ groten, all indeckten Disch, spröken sei liesing miteinanner, so dat dei Rauh von denn’ leiwen Doden nich stürt würd, up’n Friedhoff, dei gägen denn’ Kraug anleg. Willem, würd seggt, harr bet tau’n letzten Atentog dei Messfork nich ut dei Hand leggt, wier ümmer för Hus un Hoff, Veihtüg un Fomilie dor wäst un harr Arger, wenn’t denn’ mal gew, leiwer in sick rin fräten, as anner Lüd dormit uptaurägen. Un ümmer lustig un kum mal ’n Schluck.

Möt woll dat nattkolle Wäder Schuld an wäst sin orer ehr wier dat Gräwnis up’n Magen schlagen, denn dei Kräuger drög all dat söss’t Mal Kurn un Bier up. Ganz verklamt harrn s’ utseihn, as sei vör’n Stunn rinkamen wier’n. Nu oewer däugten sei up, mit jede Lag mihr. Dat würd ok dütlich luder in dei Gaststuw un dei Truergäst wier’n nich mihr so zach, wenn’t üm denn’ Doden güng:

„Nee, Willem is süss würklich ’n gauden Kierl wäst“, säd ein von dei Frugens, „man ’n tämlichen Gnatterpott wier hei ok un sien Frieda, Gott hew ehr seelig, hett dat nich ümmer licht bi em hadd. Hei wull jeden Dag wat Gaud’s in’n Magen hebben, man Geld hett s’ von em nich krägen. Wenn sei nich dat Eiergeld hadd harr, na, ick weit je nich. Un recht wat antautrecken harr s’ je ok nich, blot Plünn’n up’n Liew.“

Dei Kräuger harr intwüschen ein Bradenplatt, Schöttels mit Tüffel, Rotkohl un Soß up’n Disch stellt un frög: „Wullt ji tau’t Äten Rotspon drinken orer bliewt ji bi dei Gedecke?“ Nee, sei wullen nix anners, ’n Ogenblick späder wiern dei Gläs wedder vull. Poor Minuten lang wier blot dat Klappern von’t Ätgeschirr tau hürn. Oewer denn nähm dei Unnerhollung wedder tau:

„Ick möt di recht gäben, Erna“, säd ein von dei Buern. „Nix gägen Willem. Man dat stimmt, giezig wier hei. Blot wenn hei tau Kraug güng, künn’t nich dull naug warden. Hier, up dissen Stauhl hett hei ümmer säten un ,hoch die Tassen‘! Un denn süng hei mihrst dat sülwig Leed. Weit ji noch? Ssi, ssa harr’k man ’n Lütten, harr’k man ’n Lütten, harr’k man ’n Lütten“. Mit ’n Mal harrn sei all ehr Koemgläs in’e Hänn un süngen, as wenn Austköst wier: „Ssi, ssa harr’k man ’n Lütten, harr’k man ’n lütten Schluck“.

As dei Gaststuwendör knarrte un mien Fru up’n Süll stünn, brök dei Gesang af. Föfteigen grieshorig Köpp dreihten sick langsam nah ehr üm. As sei sehgen, dat dor kein ut’t Dörp stünn, makten sei sick wedder oewer dat Äten her. Blot dei Buer, wecker denn’ Gesang anstimmt harr, nähm mien Fru nehger in’n Ogenschien un plinkte ehr tau. Ick künn em verstahn, denn dor stünn je ’n staatsch jungen Fru.

Man dat Plinken makte Erna fünsch. Unnern Disch peddte sei em an dei Schänen. Hei bet dei Tähnen tausamen un nuschelte wat von „Malle Kauh“ orer so.

Dat End von disse Truerfier wull ick nich beläwen un säd tau mien Fru, dei mi verwunnert ankek: „Lat uns nah Hus führ’n, wat hier los wier, vertell’k di unnerwägens.“ As ick bi’n Kräuger denn’ Grog bitahlen wull, winkte hei af. Hüt makte bi em wat anners denn’ Kohl fett, nich mien poor Pennings.

OZ

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