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Frankreich, das gespaltene Land

Die Grande Nation muss den Blick auch nach innen richten. Frankreich, das gespaltene Land

Vor ein paar Tagen schwenkten Millionen Franzosen euphorisch die Trikolore: Ihre Nationalelf hatte es ins Finale der Fußball-EM geschafft.

Vor ein paar Tagen schwenkten Millionen Franzosen euphorisch die Trikolore: Ihre Nationalelf hatte es ins Finale der Fußball-EM geschafft. In dem von Terror-Angst, Streiks und Verdrossenheit geplagten Land machte sich kollektive Fröhlichkeit breit und Erleichterung darüber, dass das Fußballturnier nicht von einem großen Anschlag überschattet wurde. Doch der folgte nun wenig später.

 

OZ-Bild

Von Birgit Holzer

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Die Fahnen, die gerade noch in der Sommerluft flatterten, hängen nun auf halbmast. Frankreich ist tief getroffen von der extremen Gewalt des Anschlags in der Nacht zum Freitag, von der hohen Zahl der Opfer und von der Erkenntnis, erneut zur Zielscheibe geworden zu sein. Die Angst, dass die Attacken des vergangenen Jahres nur der Beginn einer fürchterlichen, noch lange andauernden Serie waren, wird zur Gewissheit. Getroffen wurde mit der Strandpromenade in Nizza wieder ein symbolträchtiges Ziel.

Kinder, Frauen, Männer – wer die Opfer waren, muss dem Attentäter in seiner totalen Verblendung gleichgültig gewesen sein. Nur möglichst viele wollte er am Nationalfeiertag treffen. Noch fehlen eindeutige Informationen, ob es sich beim Attentäter von Nizza um einen Einzeltäter handelte und ob ihn eine radikal-islamistische Ideologie antrieb. Ob er, der gebürtige Tunesier, ein weiterer jener wütenden jungen Männer war, die das Land zerstören wollen, in dem sie leben. Vorschnelle Erklärungen verbieten sich. Doch eines ist sicher: Wenn Frankreich besonders exponiert ist, liegt das auch am Umgang mit seiner Kolonialgeschichte.

Viele Menschen mit Wurzeln in Nord- und Westafrika sind nicht in der Gesellschaft angekommen, gelten höchstens als Franzosen zweiter Klasse, obwohl sie oft hier geboren wurden. Ausgegrenzt in den verwahrlosten Vorstädten, entwickeln viele von ihnen einen explosiven Hass gegen Frankreich, wo zugleich der Rechtsnationalismus stetig ansteigt.

Absolut nichts rechtfertigt die begangenen Bluttaten. Doch um zu verstehen, warum es immer wieder Frankreich trifft und um weitere Tragödien zu verhindern, gehört der schonungslose Blick auf diese Hintergründe dazu. Nur die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken, weitere Soldaten und Polizisten zu mobilisieren und die geheimdienstliche Überwachung auszubauen, wird nicht reichen. Seit Monaten herrscht der Ausnahmezustand, die Sicherheitskräfte erreichen längst ihr Limit. Präsident und Premierminister treten entschlossen auf, um den Menschen zu vermitteln, dass dieser „Krieg“, wie sie ihn nennen, gewonnen wird.

Doch was Frankreich braucht, ist keine martialische Rhetorik, sondern ein neues Zusammenrücken, eine neue Brüderlichkeit. Frankreich noch tiefer zu spalten, mürbe zu machen, in ständiger Verunsicherung zu halten, ist das Kalkül seiner Feinde. Und dieses Kalkül darf nicht aufgehen. Seiten 2 und 3

OZ

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