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Frohe Botschaft ohne Nachhall

Die neuen Regeln zur Leiharbeit werden kaum Probleme lösen. Frohe Botschaft ohne Nachhall

Die erste gute Nachricht lautet: Die Große Koalition arbeitet wieder. Nach monatelanger Blockadehaltung scheint auch die CSU wieder regieren zu wollen.

Die erste gute Nachricht lautet: Die Große Koalition arbeitet wieder. Nach monatelanger Blockadehaltung scheint auch die CSU wieder regieren zu wollen. Endlich hat man sich auf Regeln einigen können, die den Missbrauch bei Leiharbeit und Werkverträgen eindämmen sollen. Nun dürfen Leiharbeiter künftig also nur noch höchstens 18 Monate im selben Betrieb beschäftigt werden. Und nach neun Monaten muss ihnen der gleiche Lohn wie der Stammbelegschaft gezahlt werden. Auch das ist eine gute Nachricht.

 

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Von Ulrike Demmer

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Die Rahmenbedingungen für Leiharbeit waren schon lange reformbedürftig. In den vergangenen Jahren ist eine unfaire Branche entstanden, immer wieder rügten Arbeitsgerichte die unübersichtliche Gesetzeslage. Die neuen Regeln könnten nun dazu führen, dass Leiharbeit unattraktiver wird und die Zahl der Leiharbeiter schrumpft. Das war dann aber auch die letzte frohe Botschaft.

Die Freude über den mühsam verhandelten Kompromiss dürfte bei Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles nicht lange anhalten. In der Praxis wird das Gesetz ins Leere laufen. Die neuen Regeln werden nicht dazu führen, dass sich Unternehmen von ihrem Wunsch nach Flexibilität verabschieden und von sofort an jeden Mitarbeiter mit Tariflohn in Vollzeit anstellen. Der Trend zum Auslagern wird sich fortsetzen. Unternehmen entwickeln mit enormem Eifer Ausweichstrategien. Hinter der monatlich verkündeten niedrigen Arbeitslosenquote verbergen sich zunehmend atypische, oft prekäre Arbeitsverhältnisse. Längst haben sich ganz neue Formen der Flexibilisierung aufgetan.

Die Möglichkeiten, die das Internet bietet, sind attraktiv. Crowdworking heißt etwa ein Phänomen der schönen neuen Arbeitswelt – dahinter verbirgt sich eine digitale Form des Outsourcings. Unternehmen bieten ihre Arbeitsaufträge auf Internetplattformen feil, darum bewerben können sich dann alle in der „crowd“, also Menschen auf der ganzen Welt. In einem grenzenlosen Konkurrenzkampf unterbieten sich die Auftragnehmer gegenseitig. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat diese Arbeiter schon als „digitale Tagelöhner“ bezeichnet. Die Weltbank geht davon aus, dass die Crowdworking-Plattformen bis 2020 Aufträge im Wert von 25 Milliarden Dollar vermitteln werden.

Viele schwärmen von der Flexibilität, die diese Arbeit auch für den Auftragnehmer bringt. Schließlich ist er nicht mehr von einem Auftraggeber abhängig. Er kann sich unterschiedliche Firmen suchen, auch im Ausland. Doch der Mensch ist nur begrenzt flexibel. Die meisten sehnen sich mit zunehmendem Alter nach Sicherheit im Leben. Bei dem Tempo, mit dem sich der Arbeitsmarkt verändert, kommen viele Arbeitnehmer kaum noch hinterher – die Regulierungsversuche der Regierung kommen in jedem Fall zu spät.

OZ

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