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Gegen den IS-Terror hilft nicht nur die militärische Strategie

Wer gewinnt im Kampf um Köpfe? Gegen den IS-Terror hilft nicht nur die militärische Strategie

Von Jörg Kallmeier

Nachrichten über die Terrormiliz „Islamischer Staat“ kommen in Wellenbewegungen: Nach Anschlägen in Europa kündigt der Westen harte militärische Schläge gegen den IS an. Die Erfolge lassen meist nicht lange auf sich warten, doch die Dschihadisten demonstrieren schon im nächsten Atemzug wieder Stärke – mit neuen Anschlägen, die in ihrem Namen in Europa verübt werden.

 

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Insofern fällt es schwer, sich vorbehaltlos über die jüngsten Erfolgsmeldungen der Anti-IS-Allianz vom Wochenende zu freuen. Die Terrormiliz erscheint längst nicht mehr unbesiegbar. Sie hat, so scheint es, nicht nur im Norden Syriens einen zunehmend schweren Stand. Der Herrschaftsbereich des IS schrumpft, der Einfluss in den Ländern des Nahen Ostens schwindet. Ein Grund zum Jubeln aber ist das selbst für die militärischen Führungen im Westen nicht mehr. Mit bemerkenswerter Deutlichkeit hat US-Präsident Barack Obama am vergangenen Freitag Abstand von den bisherigen Durchhalteparolen im Kampf gegen den Terror genommen: Die militärische Strategie im Irak und Syrien, sagte Obama, sei notwendig. Aber eben nicht ausreichend.

Was nutzt der Erfolg gegen den IS auf den Schlachtfeldern, wenn es den Terrorkämpfern zugleich gelingt, ihre Wirkung durch Einzeltäter auszuweiten, die sich vom IS inspiriert fühlen? Obama erinnert an eine Aufgabe, die schon sein Vorgänger beim Kampf gegen die Taliban formuliert, aber niemals wirklich in Angriff genommen hat: Man muss den Kampf um die Köpfe gewinnen. Dem Hass und der Ideologie der Islamisten muss der geistige Nährboden entzogen werden. Beim Kampf gegen die Taliban hatte man sich noch allein auf die militärische Strategie beschränkt. Für die Zeit nach den Taliban und für die Zeit nach Saddam Hussein im Irak gab es keinen wirklichen Plan – das Ergebnis davon ist auch das Entstehen des IS.

Jetzt will Obama die „Stimmen der Toleranz und des Friedens emporheben“. Ganz pragmatisch tun dies Amerikaner schon im Internet. Gegen die IS-Videos im Netz setzt man eine ausgeklügelte Gegenpropaganda: Den Terroristen, so die Botschaft, geht es nur ums Töten, nicht um eine bessere Welt. Auch Deutschland will bald eine Video-Offensive gegen den IS starten. Der Erfolg solcher Aktionen aber hängt nicht zuletzt von ihrer Glaubwürdigkeit ab. Wer den „Kampf um die Köpfe“ gewinnen will, muss selbst mit politischen Köpfen aufwarten, die für Ideale stehen: für Freiheit, für Toleranz, für ein selbstbestimmtes Leben. Doch ausgerechnet jetzt sind diese Köpfe auch im Westen auf dem Rückzug. Obama ist bald Geschichte, Europa fehlt es an Führungsleuten mit Botschaften. In Frankreich droht ein Wahlerfolg der Rechtsextremen, den USA droht ein Präsident Donald Trump. Für den Kampf gegen den Terror sind das deprimierende Nachrichten.

OZ

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