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HIV-Infektion: Unkenntnis ist nicht entschuldbar

HIV-Infektion: Unkenntnis ist nicht entschuldbar

Mediziner raten „risikobereiten“ Personen dringend zu Tests

Die vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin veröffentlichten Daten zu den jährlichen Neudiagnosen des Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) gleichen einer nicht zu beherrschenden Dynamik der Ausbreitung des HIV in Deutschland. Trotz laufender Präventionskampagnen seit Ende der 1980er Jahre werfen diese Daten Fragen nach individual- sowie kollektiv-psychologischen sowie gesellschaftlichen Entwicklungen auf.

Die Botschaften der Präventionskampagnen durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) über die HIV-Infektion und zum Schutzverhalten bei Sex, injizierendem Drogenkonsum sowie zu Angeboten von Tests auf eine HIV-Infektion sind im Prinzip richtig. Doch werden sie von zu vielen Menschen nicht beachtet beziehungsweise nicht angenommen. Ihr leichtsinniges bis zu absichtlich risikobereites Verhalten ist gegen die – vorausgesetzte – Verantwortung für sich, die Partner und gegenüber der Gesellschaft gerichtet und nicht zu rechtfertigen.

Die HIV-Infektion ist strikt personengebunden, normale täglich-soziale Kontakte stellen kein Infektionsrisiko dar. Unkenntnis über die HIV-Infektion ist nicht entschuldbar. Nur wer die Angebote zum HIV-Test nutzt und damit Kenntnis über seinen Infektionsstatus hat, ist in der Lage, seine Partner und auch die Gesellschaft zu schützen. Weist der Test eine bestehende HIV-Infektion aus, wird in der Regel eine individuell abgestimmte Therapie angeraten, die derzeit lebenslang einzuhalten ist.

Allerdings sind nur bei gewissenhafter Befolgung der ärztlichen Therapieanweisungen und der kontinuierlichen Kontrolluntersuchungen nach heutiger Erfahrung die Lebenserwartung fast „normal“ und die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit erheblich verringert. Eine Testung ist für „risikobereite“ Personen dringend angeraten, weil gerade die unwissentlich HIV-Infizierten ein brisantes Potential für die Ausbreitung des Virus darstellen. Eine zu späte HIV-Diagnose bedingt die Verzögerung des Therapiebeginns und erhöht somit die Gefahr für zahlreiche Begleiterkrankungen.

Jedoch ist ferner festzuhalten: Die Auslegung der Persönlichkeitsrechte hat aktuell nahezu kritiklos Vorrang vor den Verpflichtungen für die Gesellschaft erlangt. Mit dieser Entwicklung ist das Verantwortungsprinzip verloren gegangen – insbesondere die Eigenverantwortung und die Verantwortung für den Partner. Die Individualethik hat ihre sozial regulierende Wirkung verloren. Unter den gegebenen Bedingungen der Seuche und ihren Folgeerscheinungen drohen soziale Spannungen. Die sich kumulierenden finanziellen Belastungen dürften auch die Möglichkeiten der reicheren europäischen Staaten übersteigen.

OZ

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