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Hilfe an der falschen Stelle

Die Kaufprämie für Elektroautos ist ein gequälter Kompromiss Hilfe an der falschen Stelle

Wenn drei Minister nötig sind, um das Ergebnis monatelanger Verhandlungen zu erklären, ist das nie ein gutes Zeichen.

Wenn drei Minister nötig sind, um das Ergebnis monatelanger Verhandlungen zu erklären, ist das nie ein gutes Zeichen. Es zeugt von Unentschlossenheit und Interessenkonflikten auf dem Weg zu einem gequälten Kompromiss. Im Fall der E-Mobilität zog sich das Leiden so lange hin, dass das Ergebnis zuletzt schon fast egal war — es sollte nur endlich eins geben. Am Morgen nach dem x-ten „Autogipfel“

 

OZ-Bild

war die größte Überraschung, dass sich der Wirtschaftsminister gegen den Finanzminister durchgesetzt hatte: Es gibt eine Kaufprämie, die Kosten teilen sich Staat und Hersteller.

Damit bleibt E-Mobil-Käufern künftig praktisch der Aufpreis für die neue Technik erspart. Das wird den Verkauf erst einmal ankurbeln, was den Herstellern hilft, ihre — nicht zuletzt auf politischen Druck aufgebauten — Kapazitäten wenigstens etwas besser auszulasten. Das war es dann aber auch. Vom Durchbruch ist die Technologie immer noch weit entfernt, und das wird sich beim jetzigen Stand der Batterieleistung und der Ladenetze auch nicht ändern. Denn bei allem Respekt für die Fortschritte in den vergangenen Jahren: Wirklich überzeugen können die meisten verfügbaren Autos bisher nicht.

Reinen E-Mobilen fehlt es an Reichweite, und Plugin-Hybride entpuppen sich im Alltag einfach nur als Benziner mit Übergewicht.

Viele regen sich im Moment darüber auf, dass ausgerechnet die in Verruf geratene Autoindustrie Staatshilfe bekommt. Ärgerlicher ist aber, dass das Geld an der falschen Stelle ausgegeben wird. Das Schnellladenetz müsste ausgebaut werden, wofür nur ein kleiner Teil des Hilfspakets gedacht ist. Vor allem aber müssen technologische Fortschritte gefördert werden. So ist schon heute absehbar, dass die Ladesäulen überholt sein werden, sobald sie stehen: Dem induktiven Laden ohne Stecker gehört die Zukunft. Auch die heutige Batterietechnik wird bald wieder obsolet sein. Nicht umsonst halten die Hersteller ihr Publikum seit Monaten mit Ausblicken auf 2019 und 2020 bei Laune. Dann sollen leistungsfähigere Akkus verfügbar sein — über deren Technologie noch nicht einmal Klarheit herrscht. Oder man macht es gleich wie Toyota, überspringt die Batterie und setzt auf die Brennstoffzelle. Es gäbe in Forschung und Entwicklung genug sinnvolle Verwendung für Staatshilfen. Kommen die Autos technisch nicht voran, werden sie auch durch ein paar Tausender im Handschuhfach nicht zum Renner.

Auf rätselhafte Weise haben Industrie und Politik in Deutschland das Thema E-Mobilität jahrelang verstolpert. In Plattformen und Arbeitskreisen wurde das Elektroauto als nationale Aufgabe inszeniert.

Der unternehmerische Mut schlief derweil auf der Rückbank. Der Amerikaner Elon Musk hatte ihn und gründete Tesla. Aus der unendlichen Geschichte der E-Auto- Förderung kann man vor allem eins lernen:

Oft braucht es Mut statt Arbeitskreise.

Von Stefan Winter

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