Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 3 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
In Libyen, Syrien und dem Irak schwindet seine Macht.

Der bröckelnde „Islamische Staat“ In Libyen, Syrien und dem Irak schwindet seine Macht.

Von Martin Gehlen

Wie sich die Bilder gleichen. In Sirte jubelten die Sieger und hissten die libysche Flagge über dem bisherigen IS-Kommandozentrum am Mittelmeer. In der syrisch-türkischen Grenzstadt Manbidsch ließen sich Befreite freudestrahlend fotografieren, Frauen demonstrativ mit Zigarette im Mund, Männer beim öffentlichen Abrasieren ihrer Zwangsbärte. 3000 Kilometer liegen zwischen den befreiten Städten, in denen noch immer Kreuzigungsbalken am Hinrichtungsplatz von der Schreckensherrschaft der Gotteskrieger vom „Islamischen Staat“ künden.

In beiden Fällen führte die gleiche Kriegstaktik zum Erfolg: Eine lokale Streitmacht im Verbund mit westlichen Spezialkommandos griff die Extremisten am Boden an, aus der Luft unterstützt von US-Kampfjägern.

Die IS-Pläne, in Libyen ein islamistisches Imperium zu errichten und von dort aus Europa zu bedrohen, sind mit dem Fall von Sirte gescheitert. Durch die Eroberung der syrischen Grenzstadt Manbidsch hat die IS-Führung nun auch in Syrien eine wichtige Nachschubroute für Rekruten aus Europa und Waffen aus der Türkei verloren. Im Nordirak erkämpften die Kurden bereits Sindschar zurück und kappten die Verbindungsader zwischen den beiden IS-Hochburgen Rakka und Mossul. Derzeit rücken kurdische Streitkräfte bereits auf Mossul vor, um die Millionenstadt komplett zu umzingeln, in der Abu Bakr Al-Baghdadi im Juni 2014 sein „Islamisches Kalifat“ ausrief.

Aus diesen Plänen wird nun nichts. Stattdessen scheinen Barack Obamas Strategien zu greifen. Der US-Präsident hatte vermieden, mit „Stiefeln am Boden“ in den Konflikt einzugreifen, sondern beschränkte sich auf Beratung, Waffenlieferungen und Hilfe aus der Luft. Das Zusammenspiel der Amerikaner mit örtlichen Kräften, so scheint es, klappt nun immer besser. Das IS-Territorium schrumpft, die Kampfmoral der Gotteskrieger lässt nach. Manche fliehen in Konvois in die verbliebenen Kalifatsgebiete, andere werfen einfach ihre Waffen weg und mischen sich unter die Zivilbevölkerung. Auch die nachlassende Finanzkraft des IS mindert seinen Einfluss. Immer weniger Untertanen stehen zur Verfügung, denen man Steuern abpressen könnte. Der einst lukrative Ölschmuggel ist dezimiert durch konstante Luftangriffe auf Tankwagen.

Der Niedergang des IS ist Anlass zum Aufatmen, nicht aber zur Entwarnung. Denn die Probleme in Libyen, Syrien und Irak, die den mörderischen Gotteskriegern vor zwei Jahren ihre rasante Expansion erlaubten, existieren fort. In Syrien tobt der Bürgerkrieg härter denn je, im Irak liegen Parlament und Regierung lahm, allerorten kochen die Kurden ihr eigenes Süppchen. Ein neuer Anlauf für einen umfassenden Friedensplan in der Region ist fällig, spätestens nach der US-Präsidentschaftswahl.

OZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Kommentar
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Umfrage, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Umfragen" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Umfragen“ 2015-09-23 de MEINUNG Aktuelle Umfrage Ihre Meinung zählt: Geben Sie ein Votum ab zu aktuellen Themen aus Politik, Wirt- schaft und anderen Gebieten. Alle Umfragen auf einen Blick finden Sie hier.