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In der Enge

Erdogan sucht Verbündete im Kampf gegen den Terror. In der Enge

Kein türkischer Politiker seit dem Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk hatte so viel Macht wie Recep Tayyip Erdogan.

Kein türkischer Politiker seit dem Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk hatte so viel Macht wie Recep Tayyip Erdogan. Dass die Verfassung für den türkischen Präsidenten eigentlich nur eine zeremonielle Rolle vorsieht, kümmert ihn nicht. Er hat sich längst vom Staatsoberhaupt zum Staatschef aufgeschwungen. Und doch muss er nun hilflos zusehen, wie sein Land vom Terror zerrissen wird.

 

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Von Gerd Höhler

Der sogenannte „Islamische Staat“ richtet ein Blutbad nach dem anderen an. Und die kurdische PKK hat mit ihren Autobomben den Krieg ins Regierungsviertel von Ankara getragen.

In die Enge getrieben vom Terror sucht Erdogan jetzt neue Freunde. Er ist dabei, die von ihm selbst abgebrochenen Brücken zu Israel wieder aufzubauen. Die Chancen für eine Aussöhnung mit Russlands Präsident Wladimir Putin sind gut, denn beide Männer ticken ähnlich und haben wenige Freunde in der Welt. Sogar nach Ägypten streckt Erdogan seine Fühler aus. Erst kürzlich warf er der EU vor, „die Türkei spalten“ zu wollen. Nun erklärt er den Beitritt zum „strategischen Ziel“.

Ist das die Wende? Kommt Erdogan zur Vernunft, wird der unberechenbare Hitzkopf zu einem verlässlichen Partner? Wohl kaum. Es ist eher eine taktische Kurskorrektur. Erdogan hat erkannt, dass er nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen kann. Die Wiederannäherung an Moskau ist vor allem ein Gebot der ökonomischen Vernunft. Die türkische Wirtschaft leidet unter dem Terror und dem Reise-Embargo, das Putin nach dem Abschuss des russischen Kampfjets verhängt hatte. Für die Wiederannäherung an Jerusalem sprechen neben bedeutenden Erdgasvorkommen vor allem türkische Sicherheitsinteressen. Beide Länder arbeiteten einst im Kampf gegen den Terrorismus eng zusammen.

Der Terror wird zu einer existenziellen Bedrohung für die Türkei. Erdogan ist daran nicht unschuldig. Zu lange verharmloste er die Gefahr, die vom IS ausging. Erst nach den Selbstmordattentaten von Suruc und Ankara setzte ein Umdenken ein. Aber es könnte zu spät sein. Die Terrormiliz hat inzwischen in der Türkei ein dichtes Netz aus Kämpfern und Unterstützern geknüpft. Und der wieder aufgeflammte Kurdenkrieg bindet wichtige Ressourcen. Die Chance, den Konflikt friedlich zu lösen, hat Erdogan vergangenes Jahr bewusst ausgeschlagen.

Stattdessen konzentriert er sich darauf, kritische Akademiker und Journalisten zur Strecke zu bringen und seine Macht zu zementieren. Diesem Ziel dient auch die Ankündigung, syrischen Flüchtlingen die türkische Staatsbürgerschaft zu geben – Erdogan spekuliert auf Hunderttausende neue, treue Wähler.

Dass Erdogan ganz der Alte ist, zeigt der Streit um die Armenier-Resolution des Bundestages. Er isoliert sich damit im Westen weiter – und macht sein Land noch verwundbarer für den Terror.

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OZ

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