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Ist die Welt noch zu retten?

Eine mittelalterliche Mauer-Mentalität wird uns nicht helfen. Ist die Welt noch zu retten?

Die Erde als Ganzes zu sehen: Dazu fordern engagierte Sozialkundelehrer ihre Schüler seit Jahrzehnten auf.

Die Erde als Ganzes zu sehen: Dazu fordern engagierte Sozialkundelehrer ihre Schüler seit Jahrzehnten auf. Oft rotierte am Ende einer Projektwoche ein selbstgebastelter riesiger blauer Ball durch die Pausenhalle, bunt beklebt mit allerlei Regionen, Problemen und Projekten, die teils verwirrend wirkten, von denen die Schüler aber wussten: Alles könnte viel besser sein, wenn die Menschen weltweit besser zusammenarbeiten würden.

 

OZ-Bild

Von Matthias Koch

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Ist diese Lehre nicht mehr wahr? Heute, im Frühsommer 2016, hallt die ganze Welt wider von schlechten Nachrichten. Abschottung ist populär, Staatenbünde drohen zu zerbrechen, Rassismus hebt an. In der Türkei und in Russland festigen Autokraten ihre Macht. Die USA, „Land der Freien und Heimat der Mutigen“, drohen unter den Trumpisten zu einer Nation verkniffener Mauerbauer zu werden. Viele Briten haben vor, sich am 23. Juni ein für allemal von der Europäischen Union loszusagen. Viele Österreicher planen, am Sonntag erstmals einen Rechtspopulisten zum Präsidenten zu wählen.

Die Stimmung ist in vielen Staaten ähnlich. Die Leute glauben nicht mehr, dass mehr Modernisierung ihnen mehr Sicherheit gibt – und ziehen wie im Mittelalter die Zugbrücke hoch. Kriege, Flüchtlinge?

Mir doch egal. Anderen helfen? Ja, aber: Wir müssen jetzt erst mal in unserer eigenen Nation füreinander sorgen. „Exklusive Solidarität“ nennt der Soziologe Heinz Bude die Verheißung der Rechtspopulisten: Wir versprechen dir einen solidarischen Raum – von dem wir alle aussortieren, die nicht zu uns passen. Das zieht Wähler an, von rechts und links. Doch der Versuch, exklusive Solidarität herzustellen, führt zu gefährlichen Kollisionen. Bald droht im Inneren Tyrannei und nach außen Krieg.

Zum Glück sind auch Gegenkräfte aktiv. So treffen sich Entwicklungshelfer und Vertreter der Vereinten Nationen am Montag in Istanbul zu einem seit Jahren vorbereiteten „Weltgipfel der humanitären Hilfe“. Dort wird von neuen Wegen die Rede sein, wie man Menschen in Not effektiver helfen und ganz nebenbei auch Flüchtlingsbewegungen bremsen kann. Bargeldtransfers über Geldkarten etwa erscheinen als neues Mittel der Wahl; sie decken individuelle Bedürfnisse besser ab und können zudem lokale Märkte festigen. Finden wir irgendwann vielleicht Wege, von den EC-Cards der Reichen etwas abzuzwacken für die Armen? Den „solidarischen Raum“ jedenfalls, um den es in Zukunft gehen muss, haben die Sozialkundelehrer schon vor langer Zeit treffend markiert: Es ist die ganze Erde.

OZ

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