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Jemand, der für Deutschland steht

Jetzt darf es nicht um parteipolitische Machtproben gehen. Jemand, der für Deutschland steht

Es ist wieder Zeit für die Bildergalerien. Wen könnte man sich als neuen Bundespräsidenten vorstellen? Müsste es nicht mal eine Frau sein? Jemand mit Migrationshintergrund?

Es ist wieder Zeit für die Bildergalerien. Wen könnte man sich als neuen Bundespräsidenten vorstellen? Müsste es nicht mal eine Frau sein? Jemand mit Migrationshintergrund? Sind die Grünen dran? Oder ist es jetzt einfach zwingend, dass die Kanzlerin ein Mitglied von CDU oder CSU durchsetzt, schon um den aktuellen Streit zwischen den Schwesterparteien zu schlichten?

 

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Von Matthias Koch

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Berlin sollte schleunigst Schluss machen mit all diesen kleinkarierten Gedankenspielen. Es darf jetzt nicht um parteipolitische Machtproben gehen. Deutschland und Europa steuern durch schwierige Zeiten. Allerorten werden Rechtspopulisten stärker. Das Vertrauen der Bürger in die politische Führung und in ihre Eliten wankt. Der Egoismus wächst, der Zusammenhalt schwindet. Die Europäische Union, die Jahrzehnte als Selbstverständlichkeit erschien, erlebt eine gefährliche Erosion.

In dieser Zeit braucht Deutschland im Schloss Bellevue eine Persönlichkeit mit maximaler integrativer Kraft. Angela Merkel sollte deshalb aufhören, achselzuckend mit Szenarien für die Bundesversammlung zu hantieren, die auf einen dritten Wahlgang und eine nur relative Mehrheit hinauslaufen. Will die Union ernsthaft mit knapper Not eine Gerda Hasselfeldt oder einen Volker Bouffier auf den Schild bugsieren, mit blauem Auge und Blessuren? Im Lächeln solcher Sieger läge etwas Schiefes.

Eine Politik, die auf maximale Integration zielt, geht anders. Die Große Koalition muss die Kraft finden, eine Persönlichkeit zu benennen, hinter der sich die Mehrheit der Union versammeln kann, die Mehrheit der SPD und auch die meisten Grünen und Liberalen. Niemand soll sagen, solche Persönlichkeiten existierten nicht. Es gibt sie. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, etwa gehört zu diesem Kreis. Schon vor der Wahl Joachim Gaucks galt er als möglicher Kandidat.

Bei einem Chef des Verfassungsgerichts muss sich, das ist das Schöne, niemand den Kopf zerbrechen über die Frage, ob wohl die intellektuelle Schärfe ausreicht und die persönliche Integrität. Schon bei Roman Herzog war das alles kein Problem. Voßkuhle, Jahrgang 1963, hat als bislang jüngster Präsident acht Jahre lang das Verfassungsgericht geführt. Er ist nicht nur Richter, sondern, das lässt er gelegentlich in öffentlichen Auftritten aufblitzen, auch ein politischer Denker. Der Ausgleich zwischen dem Zusammensein und der Eigenstaatlichkeit in Europa zum Beispiel ist seit vielen Jahren eines seiner Themen. Voßkuhle hat sein Gericht einmal als „Reflexionsschleife der Republik“ bezeichnet. Ein solcher Ort ist auch Schloss Bellevue. Dass es die SPD war, die ihn einst für Karlsruhe nominiert hat, muss die Union nicht bekümmern. Hier einzuhaken wäre lächerlich. Ein Mann vom Format Voßkuhles steht nicht für eine Partei, sondern für Deutschland.

OZ

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