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Kein neuer Gigantismus

Kein neuer Gigantismus

Von Thomas Luczak

Es ist eine Binsenweisheit, aber nichtsdestotrotz wahr: Häufig zerstört der Tourismus seine eigenen Grundlagen. Ein Blick auf gesichtslos zubetonierte spanische Badeorte zeigt überdeutlich:

Profitversprechende Lagen locken Investoren mit prall gefüllten Kriegskassen. Deren Vorhaben akkurat auf ihren Nutzen für die Anwohner, auf mögliche Schäden für Natur und Umwelt, auf ihre generelle Verträglichkeit zu prüfen, das ist eine wichtige Aufgabe von Gemeindevertretern und Verwaltungen.

Die Idee, das martialisch geplante „Seebad der 20000“ in Prora auf Rügen mit einem an einen unordentlichen Bücherstapel erinnernden 104-Meter-Wohnturm aufzubrechen, mag rein architektonisch reizvoll erscheinen. Und ebenfalls positiv wäre, wenn hier – im künftig höchsten Haus Mecklenburg-Vorpommerns – auch Wohnungen für weniger gut betuchte Einheimische entstehen könnten.

Die negativen Effekte jedoch, die ein solcher Bau nach sich ziehen könnte, wiegen schwer: Beginnt damit der Ausverkauf der letzten freien Flächen in Prora? Wird dem horizontalen Gigantismus des „Kraft-durch-Freude“-Baus der Nazis ein vertikaler hinzugefügt – ein zweiter Koloss? Verliert der traditionelle Badeort Binz, zu dem Prora gehört, sein Gesicht, seinen Reiz? Und könnte sich nicht in wenigen Jahren erweisen, dass wir an den paradiesischen Stränden Rügens die gleichen Fehler gemacht haben wie die Menschen im mit Bettenburgen zugebauten andalusischen Marbella oder Benidorm an der Costa Blanca? Dies zu vermeiden und die Sorgen der Rüganer ernst zu nehmen, das ist Gebot der Stunde.

OZ

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