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Kriminelle, Militärs, Geheimdienste – im Internet tobt ein Krieg.

Das neue Schlachtfeld im Netz Kriminelle, Militärs, Geheimdienste – im Internet tobt ein Krieg.

Von Dirk Schmaler

Internetfirmen aus Kalifornien neigen eigentlich nicht dazu, Gefahren im Internet überzubetonen. Sie halten Datenschutz noch immer für eine europäische Verzagtheit und Regulierungen im Netz für einen Angriff auf die Freiheit. Nach dem Hackerangriff auf eine halbe Milliarde Nutzerdaten von Yahoo allerdings gab sich eine der größten Internetfirmen der Welt gestern ungewohnt philosophisch. „Eine zunehmend vernetzte Welt hat zunehmend komplexe Bedrohungen hervorgebracht“, heißt es in einem Statement von Yahoo. „Wirtschaft, Politik und Nutzer geraten ständig ins Fadenkreuz gegnerischer Kräfte.“

 

OZ-Bild

Tatsächlich ist der Angriff auf den E-Mail-Anbieter Ausdruck einer neuen Normalität. Während die Industrie geradezu fieberhaft daran arbeitet, jeden Toaster, jedes Auto und jeden Kühlschrank auf der Welt ans Netz anzuschließen, vagabundieren eine stetig steigende Zahl Krimineller und Terroristen, aber auch Spione und Militärs mit ganzen Rechnerarmeen durch die Datenleitungen – immer auf der Suche nach neuen Einfallstoren. Kürzlich haben es Hacker geschafft, eine Milliarde US-Dollar von osteuropäischen Banken zu stehlen – es war der erste Milliarden-Online-Bankraub der Geschichte. Mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen sind einer Umfrage zufolge im vergangenen Jahr Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl geworden. Es gibt nahezu täglich irgendwo auf der Welt Angriffe auf Strom- und Wasserleitungen, Kraftwerke, Aktienmärkte und Autos.

Die allumfassende Vernetzung ist längst ein Sicherheitsproblem globalen Ausmaßes. Der amerikanische IT-Sicherheitsexperte Marc Goodman warnte kürzlich, das Internet erlebe zur Zeit jeden Tag ein „Cyber Pearl Harbor“.

Auch für die Politik ist der Krieg im Netz brisant. Nach wiederholten Angriffen auf Computer von Bundestagsabgeordneten vermuten Experten, fremde Mächte könnten mit gestohlenen E-Mail-Nachrichten den Bundestagswahlkampf 2017 beeinflussen. Die Gefahr ist real.

Die Bundeswehr mischt neuerdings mit im Cyberkrieg. Die neue Cybereinheit hackte sich bei einer Geiselbefreiung in Afghanistan in ein örtliches Telefonnetz, um die Entführer live zu orten. Der Angriff ist rechtlich höchst fragwürdig. Es ist richtig, dass auch die Bundeswehr sich auf den Cyberkrieg einstellt. Gerade weil die technische Kriegsführung aber die Hemmschwelle für Einsätze sinken lässt, braucht es dringend strenge, nachprüfbare Regeln. Verdeckte Angriffe im Ausland gehören nicht zum Auftrag der Bundeswehr. Nicht in der realen Welt und auch nicht in der virtuellen.

Die Regierung muss in Cyberabwehr investieren. Es reicht nicht, Computernutzer über sicheres Surfen aufzuklären. Zumal das „Internet der Dinge“ das Netz vom Computer abkoppelt und damit allgegenwärtig macht.

OZ

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