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Mal nach Kuba, warum nicht?

Die USA reichen ganz entspannt alten Feinden die Hand. Mal nach Kuba, warum nicht?

Seine Lässigkeit gehört zu seiner Politik. Wenn Barack Obama durch die Altstadt von Havanna schlendert — mit Ehefrau Michelle, den beiden Töchtern und seiner Schwiegermutter ...

Seine Lässigkeit gehört zu seiner Politik. Wenn Barack Obama durch die Altstadt von Havanna schlendert — mit Ehefrau Michelle, den beiden Töchtern und seiner Schwiegermutter —, und dann noch ein Baseball-Spiel zwischen den Tampa Bay Rays und dem kubanischen Nationalteam besucht, sendet der US-Präsident ein Signal an seine innenpolitischen Gegner. Seine Botschaft lautet: Wir fahren mal nach Kuba, warum nicht? Wir müssen uns nicht verbiegen, wenn wir mit alten Feinden ins Gespräch kommen.

 

OZ-Bild

Von Stefan Koch

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In Kuba fährt Obama die Früchte einer mühsamen Arbeit ein. Es war ein langes diplomatisches Ringen, bei dem sich auch die katholische Kirche immer wieder vermittelnd einschaltete. Nun aber gibt es aus Kuba endlich die Bilder der freundlichen historischen Begegnung unter karibischer Sonne.

Für Obama geht es jetzt nicht nur um Kuba. Er will seine ganz eigene Handschrift hinterlassen, eine grundsätzlich andere Herangehensweise auf internationalem Parkett vorführen. Trotz aller Streitigkeiten, so seine Botschaft, liegt in ewiger Eiszeit keine Lösung. Das gilt für Kuba ebenso wie für den Iran. Sanktionen gegen Altkommunisten oder strenggläubige Mullahs über Jahrzehnte aufrechtzuerhalten, mag ein Zeichen von Hartnäckigkeit sein, letztlich gehören aber beide Seiten zu den Verlierern. Gerade in Havanna lässt sich beobachten, dass zu den Leidtragenden eines Wirtschaftsboykotts in erster Linie die einfache Bevölkerung zählt. Die politische Elite in Quasi-Diktaturen findet immer einen Weg, es sich trotz aller Einschränkungen gut gehen zu lassen.

Mit seiner Charmeoffensive kehrt Obama keineswegs die anhaltenden Differenzen unter den Tisch. Auch künftig steht die Debatte über Bürgerrechte ganz oben auf der Tagesordnung. Aber der „Commander in Chief“ setzt auf eine Waffe, die wirkungsvoller als die Militärmaschinerie sein könnte: alltägliche und unmittelbare Kontakte zwischen Kubanern und US-Amerikanern. Sicherlich muss sich erst noch zeigen, ob der Wandel durch Handel den Dissidenten tatsächlich hilft, die in Havanna hinter Gittern sitzen. Aber zur Großzügigkeit des Stärkeren zählt eben auch, den ersten Schritt zu wagen.

Eher ungeplant und zufällig dürfte dagegen die zweite Botschaft sein, die Obama mit seiner Kuba-Visite sendet: Seine Reise dürfte so manchen Amerikaner daran erinnern, dass sich die Vereinigten Staaten trotz aller internationalen Krisen und der heftigen innenpolitischen Auseinandersetzungen insgesamt in einer ordentlichen Lage befinden. Die aufgepeitschten Wahlkampfdebatten verzerren den Blick auf die Tatsächlichkeiten: Angesichts guter Wirtschaftsdaten, fallender Energiepreise und niedriger Arbeitslosenzahlen kann es sich die Supermacht allemal leisten, dem kleinen Nachbarn entspannt die Hand zu reichen.

OZ

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