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Mancher Rebellengeist steckt zwischen den Zeilen

Mancher Rebellengeist steckt zwischen den Zeilen

Sehr geehrter Herr Büssem, ich weiß nicht, was Ihren Frust auf die momentane Musikszene erweckt hat, doch nachdem ich Ihren Artikel – und auch schon den vor ein ...

Sehr geehrter Herr Büssem, ich weiß nicht, was Ihren Frust auf die momentane Musikszene erweckt hat, doch nachdem ich Ihren Artikel – und auch schon den vor ein paar Wochen über AnnenMayKantereit – gelesen habe, frage ich mich, warum Sie Ihre Unzufriedenheit in Form von haltlosen Schimpftiraden auf zeitgeistige Musiker zum Ausdruck bringen müssen.

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass Sie ein großer Fan der Rock’n’Roll-Ära sind. Mir geht es ebenso. Dies ist aber kein Grund, andere Musikstile herunterzumachen und zu verurteilen.

Nicht jede Band kann und will über Hass, Unzufriedenheit, Gewalt und Schlechtes singen. Und Demonstration geht auch friedlich, wie Sie zum Beispiel an Ihren muffigen „Hippies“ in den 60ern sehen können. Aus meiner Sicht kann etwas positive und „banale“ Musik nicht schaden im Kontrast zum Mord und Totschlag dieser Welt.

Meine Frage an Sie lautet: Ist es schlimm, sein Leben okay zu finden und glücklich zu sein? Oder sind Menschen mit dieser Einstellung vielleicht nur schlauer als jene, die alles zu verändern versuchen, außer sich selbst? Denken Sie, die Zeile „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ von TonSteineScherben trägt dazu bei, Leute zu friedlichem Protest, Toleranz und Akzeptanz zu bringen? Für mich hört sie sich eher nach einem Banner-Slogan für die RAF oder für Neonazis an.

Sie schreiben, „Achtung und Respekt“ helfen nicht gegen plündernde Großkonzerne. Haben Sie mal darüber nachgedacht, warum uns Konzerne plündern? Warum uns Politiker veräppeln? Weil sie Achtung und Respekt haben? Sicher nicht. Also, vielleicht sollte ein PUR-Song jede Stunde im Bundestag Pflicht werden.

Musik ist nun einmal Kunst. Nicht jeder Musiker fällt gleich mit der Tür ins Haus und brüllt „Revolution“ ins Mikro. Mancher „Rock’n’Roll“-Rebellengeist versteckt sich auch zwischen den Zeilen. Also, warum brühen Sie sich nicht mal einen Kamillentee auf, kommen etwas runter, lehnen sich zurück, stecken den Kopf zurück in den Morast der alten Tage, in denen „alles besser war“, und akzeptieren die Musikwelt, wie sie gerade ist? Sie sollen sehen, wenn man sich auf das fokussiert, was einen glücklich macht, anstatt auf das, was einen unglücklich macht, wird die Wut im Bauch gleich deutlich weniger.

PS: In „Oft gefragt“ von AnnenMayKantereit – übrigens in meinen Augen eine der größten Bands der Epoche – singt der liebe Hennig nicht für seine „Frau Mutter“, sondern für seinen Vater.

Mit den besinnlichen Grüßen eines Rock’n’Roll liebenden, ungeduschten und barfuß am Klavier sitzenden Hippies, Hanna Huschke aus Grevesmühlen

OZ

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