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Mit einem Rückzug Trumps blieben die Probleme ungelöst.

Vergiftete Landschaft Mit einem Rückzug Trumps blieben die Probleme ungelöst.

Von Stefan Koch

Die US-Republikaner läuten die Totenglocke für die eigene Wahlkampagne. Mit seinen Beleidigungen und seinen obszönen Bemerkungen über Frauen, die nun im Originalton zu hören sind, hat sich Donald Trump bei vielen Amerikanern endgültig disqualifiziert – nicht zuletzt in den eigenen Reihen.

Auch wenn das Rennen um das Weiße Haus nur noch vier Wochen läuft, will Parteichef Reince Priebus heute Vormittag in einer Telefonkonferenz mit den konservativen Kongressabgeordneten über einen Neustart diskutieren. Auch die Stellungnahme von Paul Ryan, dem konservativen Sprecher des Repräsentantenhauses, kommt einer schallenden Ohrfeige für den eigenen Kandidaten gleich: Mit Trump will er die Bühne nicht mehr teilen. Die Spitzenkräfte der Republikaner ahnen, dass sie schleunigst auf Distanz zu dem New Yorker Geschäftsmann gehen müssen, wollen sie ihre eigene politische Zukunft nicht verspielen.

Damit allein ist es aber nicht getan. Nach der desaströsen Kampagne wird es für die „Grand Old Party“ kein einfaches „Weiter so“ geben. Die Irrläufe ihres Spitzenmannes und die Radikalisierungen durch das jahrelange Trommeln der fundamentalistischen Tea-Party hinterlassen eine hochgradig vergiftete politische Landschaft. Die Gräben zwischen den politischen Lagern sind tiefer denn je.

Zu den Hauptverlierern gehören die Menschen, denen der Quereinsteiger eine Stimme gegeben hatte: der schlecht bis mittelmäßig qualifizierten Arbeiter, die jenseits der prosperierenden Metropolen leben und denen zollfreie Staatsgrenzen als Bedrohung erscheinen. Im Zeitalter der Digitalisierung und Automatisierung fällt es Politik und Wirtschaft immer schwerer, ihnen Hoffnung auf ein gedeihliches Auskommen zu vermitteln. Die überraschenden und unerwartet starken Protestwellen, die durch Trump und ebenso durch sein linkes Pendant Bernie Sanders ausgelöst wurden, sind ein starkes Warnsignal: Auch für Hillary Clinton steht fest, dass ihre Agenda nicht ausreicht. Bisher war sie darauf bedacht, ihre Klientel unter den Minderheiten Amerikas zu bedienen. Auch ihre demonstrative Nähe zum New Yorker Geldadel stiftet wenig Vertrauen.

Nach dem Wendepunkt im Wahlkampf wird es Zeit, die eigentlichen Herausforderungen der US-Gesellschaft endlich verstärkt in den Blick zu nehmen – angefangen von den Missständen im Bildungs- und Gesundheitswesen bis hin zu den Mängeln in der Berufsausbildung. Es ist das Verdienst von Amtsinhaber Barack Obama, die USA acht Jahre in der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise vor dem völligen Absturz bewahrt und zumindest einen leichten Aufschwung erreicht zu haben. Die gegenwärtige Wahlkampagne zeigt aber, wie sehr die Zukunftsangst weiterhin an der amerikanischen Gesellschaft nagt.

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OZ

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