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Moskaus Sündenfall

Russlands Mitschuld am MH17-Abschuss verändert die Lage. Moskaus Sündenfall

Für die Angehörigen der 298 Opfer des MH17-Flugs ist es ein schwerer Tag. Zwei Jahre nach dem Unglück im ukrainischen Luftraum werden erneut all jene Momente rekonstruiert, ...

Für die Angehörigen der 298 Opfer des MH17-Flugs ist es ein schwerer Tag. Zwei Jahre nach dem Unglück im ukrainischen Luftraum werden erneut all jene Momente rekonstruiert, in denen ihre Lieben völlig unerwartet aus dem Leben gerissen wurden. Angesichts all des Leids ist es umso bedeutsamer, dass die niederländischen Ermittler mit so einer Akribie und bemerkenswerten Hartnäckigkeit ihren Auftrag erfüllen. Den Freunden, Ehepartnern, Eltern und Kindern der Getöteten ist zu wünschen, dass ihnen das genaue Wissen um die Hintergründe des Dramas in ihrer Trauer hilft.

 

OZ-Bild

Von Stefan Koch

Sämtliche Fragen rund um den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine werden wahrscheinlich nie geklärt werden. Aber es gilt mittlerweile als gesicherte Erkenntnis, dass den Soldaten auf dem Raketenwagen aus militärischer Sicht ein fataler Fehler unterlief. Sie wollten ukrainische Kampfjets ins Visier nehmen – und kein Flugzeug voll besetzt mit Urlaubern und Geschäftsleuten.

Es war ein Fehler, der eine bis heute unselige Fehlerkette in Gang setzte und die internationale Gemeinschaft vor eine ungewöhnliche Herausforderung stellt: Wie soll die Diplomatie damit umgehen, dass die Regierung in Moskau alle Erkenntnisse der Ermittler schlicht leugnet?

Niemand geht davon aus, dass die Soldaten in der Ostukraine einen Befehl hatten, gegen unbeteiligte Zivilisten vorzugehen. Sehr wohl aber kämpfen die Separatisten mit Waffen aus russischen Beständen.

Auch an der Beteiligung von russischen Soldaten gibt es wenig Zweifel: Hightech-Waffen wie das Buk-Flugabwehrraketensystem bedienen zu können, erfordert eine mehrjährige Ausbildung.

Der Kreml weiß natürlich um die eigentliche brisante Aussage des Untersuchungsberichts: Im Osten der Ukraine tobt ein Krieg, der ohne die Militärhilfe aus Moskau in dieser Form nicht denkbar wäre.

Dass diese Einschätzung von einem multinationalen Expertenteam stammt, lässt die gestrigen Ausflüchte der Kreml-Sprecher umso bedrückender erscheinen.

Die Regierung in Berlin stellt vorsorglich klar, dass die Ergebnisse keine Auswirkungen auf den Minsker Prozess haben werden, bei dem russische Diplomaten mit am Tisch sitzen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Die deutsche Diplomatie will die ohnehin schwierigen Verhandlungen nicht weiter belasten.

So behält die Realpolitik die Oberhand, zumal Moskau inzwischen erster Ansprechpartner ist, wenn es um Lösungen für Syrien geht. Das heißt jedoch nicht, dass alles beim Alten bleibt: In Zukunft werden sich die Verhandlungspartner mit anderen Augen sehen. So dürfte es kein Zufall sein, dass Washington gestern Moskau mit einem Abbruch der Syrien-Gespräche drohte, sollten die Bombardements auf Aleppo anhalten. Die Risse im Fundament des gegenseitigen Vertrauens nehmen zu.

OZ

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