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Nerven bewahren, Stärke zeigen

Deutschland muss auch auf diesen neuen Präsidenten zugehen. Nerven bewahren, Stärke zeigen

Der 9. November 2016 brachte einen grauen, kalten Morgen, an den sich viele noch lange erinnern werden. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ließ die Welt erzittern.

Der 9. November 2016 brachte einen grauen, kalten Morgen, an den sich viele noch lange erinnern werden. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ließ die Welt erzittern. Nie hat es ein so fragwürdiger Charakter ins Weiße Haus geschafft, nie passten auf einen gewählten Präsidenten so viele üble Bezeichnungen gleichzeitig: Populist, Chauvinist, Narzisst, Nationalist.

 

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Von Matthias Koch

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Doch was nun? Was hilft es, in Talkshowrunden das „Ende des Westens“ auszurufen und sogar Parallelen zur Vorkriegsstimmung von 1913 zu ziehen? Dunkle Wolken ziehen auf, das ist wahr. Wenn Trump die Nato in Frage stellt, kann die Gefahr neuer Kriege wachsen. Wenn Trump hohe Zölle auf EU-Waren aufschlägt, droht den Europäern Massenarbeitslosigkeit.

Aber vielleicht wurde im Moment der Wahl der Höhepunkt des amerikanischen Populismus schon überschritten. Der Pulverdampf des heillos überdrehten Wahlkampfs jedenfalls verzieht sich. Und plötzlich steht da der böse Trump, verspricht, der Präsident aller Amerikaner zu sein – und lobt sogar ausdrücklich Hillary Clintons jahrzehntelange politische Arbeit. Hatten Trumps Anhänger nicht eben noch mit Blick auf Clinton „Einsperren!“ gerufen? What a difference a day makes: 24 Stunden später reibt sich nun mancher die Augen und blickt auf ein erstes kleines Zeichen von Professionalität statt Populismus.

Retten uns die roten Teppiche, die eingespielten politischen Systeme klug vorbereiteter Statements und Redetexte? Zumindest hilft dies. Seine Stabschefs, Berater und Minister werden Trump nicht im Innersten ändern. Das müssen sie auch gar nicht. Für die politische Welt gilt das gesprochene Wort des gewählten Präsidenten. Was irgendwo auf dem Flur gesagt wurde oder in der Männerumkleide, ist jetzt egal.

Auch die Kanzlerin trat gestern in Berlin kurz vor die Kameras. Angela Merkel bot Trump prompt „eine enge Zusammenarbeit“ an. Was soll wohl auch die Alternative sein? Sie musste schon mit George W.

Bush auskommen, der nicht einfach war, und mit Barack Obama, der in kleinem Kreis mitunter einen ruppigen „Chicago-Stil“ pflegte.

Deutschland muss jetzt erstens die Nerven bewahren und zweitens Stärke zeigen. Dazu gehört, dass Berlin, inzwischen die wichtigste Hauptstadt Europas, immer auch die 500 Millionen EU-Bürger politisch auf die Waagschale bringt. Am Zugang zu diesem wohlhabenden, weltweit einmaligen Markt sind US-Konzerne extrem interessiert; sie könnten zu Verbündeten Europas werden, wenn es darum geht, den Rückfall in den Nationalismus zu stoppen.

Wenn es Berlin zugleich gelingt, den Neustart in Washington mit einem Neustart der gesamten westlichen Diplomatie Richtung Moskau zu verbinden, könnten die dunklen Wolken sogar einem neuen Silberstreif weichen. Nichts davon wird sich von selbst ergeben: Die Europäer müssen eine klare Sprache sprechen, und sie müssen vereint auftreten.

Seiten 1-5, 8, VI, VIII

OZ

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