Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Nicht an Merkel und Gabriel denken

Es ist nicht offiziell, aber beide K-Fragen sind eigentlich geklärt. Nicht an Merkel und Gabriel denken

Wer tritt 2017 für die Union, wer für die SPD als Kanzlerkandidat an? Beide Seiten betonen, es sei noch nichts entschieden.

Wer tritt 2017 für die Union, wer für die SPD als Kanzlerkandidat an? Beide Seiten betonen, es sei noch nichts entschieden. Bei der Annäherung an eine Klärung hilft aber ein kleines meditatives Experiment: Schließen Sie die Augen. Denken Sie eine Minute lang an die beiden Parteien. Und vermeiden Sie – wegen der fehlenden offiziellen Festlegung – , dass Ihre Gedanken um Angela Merkel und Sigmar Gabriel kreisen.

 

OZ-Bild

Von Matthias Koch

Quelle:

Wundern Sie sich nicht, wenn Ihre Gedanken dann doch um Merkel und Gabriel kreisen. Psychologen und Hirnforscher finden das sogar logisch: Wenn jemand die Hirnareale erst mal richtig besetzt hat, sieht er nun mal den Menschen deutlich vor Augen – allen nur verbal hinzugefügten Verneinungen und Relativierungen zum Trotz. Der fortdauernde Schleiertanz in der K-Frage hat längst nichts Rätselhaftes mehr, eher etwas Amüsantes. In diesen Tagen wurden die Konturen derer, die sich da noch umständlich zu verhüllen versuchen, klar erkennbar.

Warum sollte Merkel, wenn ihr die Meinung der Masse inzwischen egal wäre, mit neuer Tonlage über Fehler in ihrer Flüchtlingspolitik sprechen? Sich gar vor laufenden Kameras wünschen, sie könne „die Zeit zurückspulen“?

Elitär sein, abgehoben sein geht anders. Merkel will jetzt mehr Gefühl investieren und mehr Geduld und sich neues Vertrauen erarbeiten bei misstrauisch gewordenen Wählern. Ihr neuer Ton könnte die Debatte beruhigen, auch über Reizthemen wie die von der CSU geforderte Obergrenze. Merkel sagt neuerdings, sie wolle keine „statische“ Obergrenze. So beginnt, das ist Politik, die Aufweichung vermeintlich unüberwindlicher Gegensätze. Satiriker sollten schon mal Bleistift und Papier bereitlegen. Wie wäre es mit einer dynamisch-rollierenden Kontingentlösung? Fest steht jedenfalls: Merkel müsste sich gar nicht so viel Mühe geben mit ihren Kritikern, wenn sie 2017 nicht antreten wollte.

Gleiches gilt für Gabriel. Beim Kanada-Abkommen hat er seine Partei durch den brennenden Reifen springen lassen. Der Tiger knurrte, tat aber wie geheißen. Wochenlang war zuvor in Magazinen und Talkshows getrommelt worden, es könne beim Konvent ein Nein geben – und damit auch ein Nein zu diesem Vorsitzenden und dessen Kanzlerkandidatur. Umso besser ist jetzt der Effekt für Gabriel. Martin Schulz, der angebliche Rivale, sagte, Gabriel habe nicht nur Führungswillen, sondern Führungskraft bewiesen. Klar, Streit ist immer erst mal unschön. Schon die Vorratsdatenspeicherung hatte Gabriel bei seinen Sozis nur mühsam durchgedrückt. Doch tritt man ein paar Meter zurück, erscheint ein stimmiges Gesamtbild. Gabriel zähmt als Parteichef Punkt für Punkt den linken Flügel – bevor er als Spitzenkandidat auf die Bühne geht. In dieser Reihenfolge agierte einst auch Tony Blair.

OZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Julia Jentsch über ihr Abtreibungsdrama „24 Wochen“, hilfreiche Hebammen und weinende Zuschauer

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Kommentar
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Umfrage, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Umfragen" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Umfragen“ 2015-09-23 de MEINUNG Aktuelle Umfrage Ihre Meinung zählt: Geben Sie ein Votum ab zu aktuellen Themen aus Politik, Wirt- schaft und anderen Gebieten. Alle Umfragen auf einen Blick finden Sie hier.