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Obama hat in Merkel eine Verbündete im Kampf gegen Alleingänge

Bündnis gegen den Nationalismus Obama hat in Merkel eine Verbündete im Kampf gegen Alleingänge

Von Matthias Koch

Hannover? Die ganze Welt zieht die Augenbrauen hoch: Was will Barack Obama zwei Tage lang in dieser Stadt? Zur Verblüffung mancher Beobachter fügt der mächtigste Mann der Welt sich brav ein in so mittelprächtige Rituale wie Messeeröffnung und Messerundgang — als sei er irgendein Premier aus irgendeinem Staat.

 

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Hannover, sagen manche, sei die Hauptstadt der Normalität. Mal schwingt da Spott mit, mal ein bisschen Neid. Ihre Normalität jedenfalls macht die Stadt zur idealen Kulisse für diesen deutsch-amerikanischen Gipfel. In Hannover lässt ein US-Präsident jetzt mal ganz bewusst traditionelle Pflichten gelten, hier verkörpert er ein Amerika, das sich Mühe gibt mit dem Rest der Welt, das nach den Regeln spielt.

Ein umsichtiges Herangehen an andere Nationen, schrieb Obama in einem Essay vor seiner Europareise, passe besser als jeder Alleingang „in diese komplizierte Welt, in der vieles mit vielem anderen zusammenhängt“. Der konkrete Erfolg von Politik bemesse sich am Ende am tatsächlich ausgeübten Einfluss. Dieser aber könne am Ende größer sein, wenn man ganze Kollektive von Staaten auf einen guten neuen Kurs bewege. Vor ein paar Jahrzehnten hätte man solche Gedanken als Selbstverständlichkeit abgetan. Heute aber, vor der düsteren Kulisse eines von dem Rechtsnationalen Donald Trump geprägten US-Wahlkampfs, bekommen Obamas Philosophien, fast wie zu Beginn seiner Amtszeit, noch einmal etwas Leuchtendes.

Wie Obama in den USA stemmt sich Merkel in Europa gegen den neuen Nationalismus. Beide wünschen sich eine Art internationales Bündnis gegen Alleingänge. Obama hofft, dass Merkel sich in der EU durchsetzt. Merkel wiederum hofft, ohne dies laut sagen zu können, dass Hillary Clinton die US-Präsidentschaftswahl gewinnt. In Berlin hat man entdeckt, dass Europa gelegentlich auch mit Hilfe Washingtons stabilisiert werden muss. Ob es um die Flüchtlingskrise geht, um islamistischen Terror, um Griechenland oder eine gemeinsame Linie gegenüber Wladimir Putin: Merkel und Obama wünschen, dass die EU-Staaten nicht in der Krise auseinanderlaufen, sondern auch und gerade in schwierigen Zeiten mit einer Stimme sprechen.

Oft wird betont, Obama wünsche Europas Einheit aus ökonomischen Gründen. Das ist wahr, aber ihn bewegen auch noch weitere, sehr viel tiefer liegende, sehr ernste Motive. Eben erst hat Obama die Briten in ihrer Brexit-Debatte zur Räson gerufen und an die amerikanischen Soldatenfriedhöfe aus dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Frei übersetzt lautete Obamas Botschaft: Zehntausende Männer aus den USA sind damals für die Freiheit Europas gestorben, diese Freiheit aber wird durch die Einheit Europas am besten gesichert. Deshalb muss man alles unterlassen, was erneut zu einem Zerbrechen Europas führen könnte.

OZ

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