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Platt, Zeesboote und Trachten ziehen Gäste in unser Land

Platt, Zeesboote und Trachten ziehen Gäste in unser Land

Touristiker müssen Brauchtum und Tradition in MV neu erfinden

Lederhosen, Kuckucksuhren und Trachtenfeste sind Traditionen, Brotzeit und die Currywurst sind Spezialitäten, die wir in Süddeutschland oder Berlin verorten können. Welche überregional bekannten Bräuche und Köstlichkeiten gibt es in Mecklenburg-Vorpommern?

Das Themenjahr der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) „Tradition und Brauchtum“ belegt, dass mehr als 18 Prozent der Internationalen Gäste Bräuche und Traditionen als Reisegrund für Deutschland sehen. Für knapp neun Prozent der Gäste sind Tradition und Geschichte der Reisegrund, unser Land zu besuchen. Was aber ist authentisch für Mecklenburg-Vorpommern? Wie will sich MV gegenüber Touristen vermarkten? Und wo sind die Grenzen zwischen der stolzen Präsentation unserer Heimatbräuche und einer überinszenierten und kommerzialisierten Ausbeutung eben jener?

Das sind Fragen, mit denen wir uns stärker als bisher auseinandersetzen müssen. Wir Touristiker müssen unser Bundesland Mecklenburg-Vorpommern stärker als authentisches Reiseziel, als unsere Heimat präsentieren.

Grundvoraussetzung ist dabei jedoch, dass dies auch von den Einheimischen geschätzt wird, dass es Anerkennung findet und gelebt wird. Erleben dann auch Touristen diese Traditionen, auf die die Rüganer, die Vorpommern oder die Mecklenburger stolz sind, so fühlen sie sich als Teil dieser, unserer Wirklichkeit.

Das Tonnenabschlagen oder die Zeesbootregatten sind solche herausragenden Beispiele, die wir noch stärker im touristischen Marketing positionieren müssen. Das Plattdeutsche kann gleichfalls im touristischen Marketing zu einem Prozess beitragen, über den unsere Einwohner mehr Akzeptanz für den Tourismus entwickeln.

Um Traditionen lebendig zu halten, ist es aber auch wichtig, neue Wege zu gehen. Weg vom phantasielosen Beharren hin zum freudigen „Neuerfinden“ von Bräuchen, Lebensweisen und Kulturformen. Einige Beispiele: Braukunst – ob „Störtebeker“ oder „Inselbier“. Architektur mit regionalen Materialien wie Schilf oder Backstein. „Kunst offen“ als Kunst und Handwerk zum Anfassen. Das Fischbrötchen mit der Maräne. Oder die Aufarbeitung der Trachten Mecklenburgs und Vorpommerns für aktuelle Mode – ein Projekt, das der Tourismusverband mit dem Bildungsministerium in diesem Jahr gestartet hat. All dies sind Beispiele, die konsequent weitergeführt werden sollten. Denn: Nur über eine hohe Qualität und gelebte Regionalität kann sich unser Land gegenüber anderen Destinationen abheben und im internationalen Wettbewerb bestehen.

Wenn es lokale Unternehmen, Einrichtungen und Vereine schaffen, eine Geschichte zu erzählen, dann nehmen sich die Touristen nicht nur die Zeit zuzuhören. Sie kaufen diese Produkte und sie verinnerlichen damit letztlich das Regionale. Das ist eine Interaktion, die den Stolz auf unser Land stärkt und den Tourismus nachhaltig erlebbar macht.

Bernd Fischer*

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