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Solarflug – Bild der Hoffnung

Der absurd langsame Rekord steht für Mut und Entschlossenheit. Solarflug – Bild der Hoffnung

Beim Medienkonsum droht dieser Tage eine Überdosis Düsternis. Bei den „Tagesthemen“ zum Beispiel beschrieb ein Kommentator hohläugig seine eigene Angst angesichts ...

Beim Medienkonsum droht dieser Tage eine Überdosis Düsternis. Bei den „Tagesthemen“ zum Beispiel beschrieb ein Kommentator hohläugig seine eigene Angst angesichts des Terrors und zitierte in vollem Ernst eine Zeile aus einem Lied der Band R.E.M: „Es ist das Ende der Welt, wie wir sie kennen.“

Ein öffentlich-rechtlicher Sender als Panikzentrale? Die Welt gerät doch nicht plötzlich aus den Fugen, weil das schon immer Erwartete, das Wahrscheinliche eingetreten ist: dass nun auch Deutschland, wie seine Nachbarländer, Ziel von Terroristen wurde. Wer die Welt, wie wir sie kannten, für harmlos hielt, war naiv. Unvergessen ist ein Interview, das Theodor Adorno 1969 dem „Spiegel“ gab: „Vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung“, beginnt der Frager, und der Philosoph unterbricht knapp: „Mir nicht.“

Die Welt dreht sich weiter, die Sonne geht wieder auf – und beleuchtet plötzlich etwas unerwartet Gutes. Der Schweizer Flugpionier Bertrand Piccard stieg nach einem letzten 48-Stunden-Flug aus dem Cockpit der „Solar Impulse 2“ und rief: „Die Zukunft ist sauber, die Zukunft gehört euch, die Zukunft ist jetzt, machen wir so weiter!“ Piccard und sein Kompagnon André Borschberg haben drei Kontinente und zwei Ozeane als Alleinflieger überquert. Sie sind einmal um die Erde geflogen, 43000 Kilometer weit. Und das alles, ohne einen einzigen Tropfen Kerosin zu verbrauchen.

Flugpionier: Das klingt verstaubt und hundert Jahre alt, nach Lilienthal, Wright, Elly Beinhorn. Der Rekord einer Weltumrundung in anderthalb Jahren – das wiederum klingt heutzutage schon absurd langsam. Und hat mit der Welt, wie wir sie kennen, eigentlich nichts zu tun. Umso aufregender ist, wie universal die Begeisterung für diesen Flug war. In Indien, China und Japan, in den USA und Europa begeisterten sich die Menschen für diese Mischung aus Abenteurertum und Werbung für eine saubere Zukunft. Und nicht nur dort: Auch in Ägypten und am Golf schwebte der Solarflieger ein, wie ein Bote besserer Nachrichten in dieser Welt, wie wir sie leider kennen.

Die Weltumrundung wirkt auf viele wie ein putziges Projekt von Freaks, gefördert von Potentaten mit viel Geld und Drang zur Selbstdarstellung. Aber der elegante Flieger über der dunstigen Erde ist auch ein Bild der Hoffnung. Kommerziellen Solarflug wird es nicht so bald geben. Die ersten Hybrid-Passagiermaschinen aber, die Fliegen immerhin leiser und sauberer machen, wohl schon in fünf Jahren.

Der Song von R.E.M. übrigens endet mit den Worten „. . . and I feel fine“, ich fühle mich gut. Das wiederum ist Eskapismus, ebenso unproduktiv wie Angst. Piccard und Borschberg wären weder mit Angst noch Eskapismus um die Erde gekommen. Sie mussten mutig sein, entschlossen und hoffnungsvoll.

OZ

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