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Stärker als der Tod

Stärker als der Tod

Osterbetrachtung von Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn

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Kreuztragungs-Szene im Doberaner Münster. Diese Figurengruppe entstand wahrscheinlich um 1360.

Quelle: Foto: Archiv

Mein Schulweg Ende der siebziger Jahre in Rostock führte mich Tag für Tag an einer großen Propagandawand vorbei. Lange prangte dort die Losung: „Ernst Thälmann lebt in unseren Taten weiter.“ Auferstehung „auf Sozialistisch“, dachte ich damals. In der Schule versuchte man, uns den Glauben an ein Leben nach dem Tod auszutreiben. Aber der Arbeiterführer sollte weiterleben, wenigstens in unseren Taten.

Dr. Andreas v. Maltzahn (Schwerin) ist Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche)

Kommen wir Menschen nicht aus ohne solche Hoffnung – dass etwas bleibt von uns und weitergeht? In unseren Kindern und Enkeln zum Beispiel? Oder in dem, was wir aufgebaut haben? Müssen wir darum nicht besonders kritisch sein, wenn, wie es scheinen könnte, der christliche Osterglaube diese urmenschliche Sehnsucht „bedient“?

Erinnern wir uns: Jesus von Nazareth wurde von den Römern hingerichtet. Er starb am Kreuz. Seine Sache, seine Bewegung schienen gescheitert zu sein. Seine Freunde waren geflohen und verzweifelt.

Ende! Aus! Vorbei! Es schien ein großer Irrtum, auf Veränderung durch Liebe zu setzen statt auf Macht und Gewalt. Das Imperium hatte diese Hoffnung im Keim erstickt.

Doch dann die überraschende Wendung: Menschen machen Erfahrungen mit Christus, die voller Leben sind. Zuerst erfahren es Frauen aus dem Freundeskreis um Jesus: Der Tod hat nicht das letzte Wort behalten. Da ist neue Lebendigkeit – in Christus, unter den Freunden und Freundinnen von Jesus. Sie erleben etwas mit ihm, den sie doch am Kreuz hatten sterben sehen.

Fragt man nach dem historisch Greifbaren der Ostererzählungen, so ist es vor allem der Osterglaube der Frauen. Wer hier hätte erfinden wollen, hätte die erste Ostererfahrung besser Männern ins Drehbuch geschrieben, den Freunden Jesu, den Jüngern, aber nicht Frauen. Deren Aussage galt in der damaligen Welt wenig. Bei Befragung vor Gericht waren Frauen als Zeugen gar nicht erst zugelassen.

Dennoch spielen sie in den biblischen Ostergeschichten eine besondere Rolle:

Die Trauer der Marias

Voll Trauer waren Maria Magdalena, Salome und Maria, die Mutter eines Jüngers, auf dem Weg zum Grab gewesen. Den Tod von Jesus hatten sie noch gar nicht begriffen: Nicht allein die furchtbare Kreuzigung! Ihr gemeinsames Leben in Galiläa, das, was sie mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem erlebt hatten – alles schien durchkreuzt. Den Himmel hatten sie offen gesehen. Nun blickten sie in den Abgrund der Sinnlosigkeit. Der, in dem sie Gott erfahren und ganz neu verstanden hatten – ausgelöscht! Kein Platz auf der Erde für ihn und seinen Weg, ganz und gar aus dem Vertrauen auf Gott zu leben! Anscheinend gescheitert seine Art, Menschen so in Verbindung miteinander zu bringen, dass niemand auf der Strecke bleibt!

Die beiden Frauen gehen zum Grab, um zu weinen. Da ist kein Funke Hoffnung mehr in ihnen. Aber was sie dann erleben, verändert alles. Ein Bote Gottes sagt zu ihnen: „Warum sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Seht, da ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt haben. Er ist nicht hier. Gott hat ihn vom Tode auferweckt. Macht euch auf! Sagt es seinen Jüngern: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen.“

Die erste Reaktion der Frauen – blankes Entsetzen. Sie fliehen das Grab und laufen davon. Sie zittern vor Angst. Zu unglaublich, was sie da erleben: Mit dem Tod ist doch nicht alles aus? Der Tod – doch nicht todsicher? Wenn am Ende doch die Liebe recht behält und nicht die Gewalt? Wenn doch die Wahrheit siegt über die Lüge, und Gott sein wird alles in allem?

Respektloser Zweifel

Österlicher Zweifel an der Allmacht des Todes! Kaum zu glauben, aber nicht totzukriegen dieser respektlose Zweifel an der Herrschaft des Todes! Maria Magdalena und die andere Maria eilen fort vom Grab. Auf dem Weg zu den Jüngern begegnen sie dem Auferstandenen. Sie fallen nieder, berühren seine Füße, beten ihn an. Und hören wieder: „In Galiläa werdet ihr mich sehen. Sagt’s den Brüdern!“

Jesus war tot und ihnen nun doch begegnet. Was würden die Jünger dazu sagen? Egal, in Galiläa würden sie alles verstehen. In Galiläa, wo alles begonnen hatte: Jesu Wirken und Predigen; wo sein Ruf ihr Leben verwandelt hatte, sie mit ihm unterwegs gewesen waren, alles hinter sich lassend; wo sie erlebt hatten, wie er heilte und tröstete, Unrecht beim Namen nannte und Hoffnung stiftete; wo er ihrer Sehnsucht eine Richtung gegeben hatte hin auf ein wahrhaft menschliches Leben im Sinne Gottes In Galiläa würden sie erfahren, wie es weitergehen sollte.

Folgt man dieser Ostererzählung, erschließt sich die Wirklichkeit der Auferstehung nicht an Gräbern – und seien sie auch leer. Die Freundinnen und Freunde Jesu werden von seinem Grab fortgewiesen, weil sie in eine Geschichte neuer Erfahrungen eintreten sollen. Dort soll es geschehen, wo sie ihre Aufgaben haben, in ihrem Alltag, der nicht alltäglich bleibt. Denn die Sache Jesu geht weiter. In dieser Bewegung erfahren sie Ostern, den lebendigen Gott.

Also, weg von den Wallfahrtsorten, Denkmälern, ehrwürdigen Gräbern – hin zu den Orten, wo wir Menschen unsere Aufgaben haben! Hinein in die Bewegung Gottes: Wo Menschen zu Nächsten werden, Trost und Hoffnung brauchen, wo für Gerechtigkeit und Versöhnung zu sorgen ist – dort erschließt sich, was Auferstehung bedeutet: neues Leben, das Geschenk ist und Auftrag zugleich. Neues, ewiges Leben.

Enttäuscht und verzweifelt waren die Jünger nach der Kreuzigung Jesu. Doch dann erfuhren sie unerwartet und auf verschiedenste Weise den Christus als lebendig. In der Folge wurden sie zu Menschen, die mutig die Botschaft Jesu in die Öffentlichkeit trugen und sich auch nicht durch Gefängnis und Verfolgung davon abbringen ließen. Wie Jesus führten sie ein Leben der Hingabe. Am Schicksal Jesu, an seinem Sterben und an seiner Auferweckung hatten sie erkannt: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes – nicht einmal der Tod. Das gilt auch im Angesicht von Schrecken und Entsetzen, die uns erstarren lassen. Sie werden nicht das letzte Wort behalten.

Unser Leben wird erfüllt

Was für ein Aufbruch – aus der Starre des Todes in ein befreites Leben! Welch eine verwandelnde Kraft kann es heute für unser Leben haben, wenn wir begreifen: In Wahrheit sind wir frei.

Selbst der Tod hat nur vorübergehend Macht über uns.

Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes. Wozu also all diese ängstlichen Rückversicherungen – geboren aus der Sorge, Menschen könnten uns fallenlassen?! Warum nicht aufrecht leben und frei?! Ein Leben rückhaltloser Hingabe an Aufgaben, die unseren Einsatz heute brauchen – für Menschen in unserer Gesellschaft, die für sich keine Zukunft mehr sehen; für Gemeinsinn und Verständigung gegen Hass und Aggression, die unsere Gesellschaft spalten; gegen den Hunger in Ostafrika; für eine erneuerte Europäische Union, die Frieden, Rechtsstaatlichkeit und Lebenschancen für alle stärkt; für eine wirksame Energiewende, die den Klimawandel mildert Viele Aufgaben, gewiss! Lassen wir uns nicht lähmen von ihrer Fülle, sondern schlicht das tun, was in unserer Kraft steht! Unser Leben wird erfüllt, wird lebendig sein.

Wir können das. Wir sind dazu in der Lage, so zu leben. Wir sind so frei. Denn der Generalnenner unseres Lebens ist nicht der Tod, sondern Gott – und das Leben, das aus ihm kommt.

OZ

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Grevesmühlen
Mehr als 1000 Besucher wollten sich auch das 5. Schau-Oldtimer-Pflügen auf einem Acker in der Nähe von Meierstorf bei Plüschow nicht entgehen lassen. Mehr als 50 Teilnehmer fanden auch in diesem Jahr wieder den Weg hierher. „Ich denke, die große Nachfrage kommt daher, weil bei uns jeder pflügen und grubbern kann wie er will. Es gibt keine Sieger, sondern nur Spaß an der Freud’“, erklärte Ulf Nienkarken, Vorsitzender des Dorfclubs Plüschow, der diese Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Feuerwehr seit fünf Jahren auf die Beine stellt. „Der Erfolg gibt uns Recht. Wir hätten nie gedacht, dass hier mal so viel los sein wird“, sagte Nienkarken.

Torge Brede aus Grevesmühlen über seinen Job zwischen Stall und Acker

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