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Streit um Arndt: „Wir müssen die Gräben schließen“

Streit um Arndt: „Wir müssen die Gräben schließen“

Dr. Sascha Ott fordert, endlich die Greifswalder Bürger miteinzubeziehen

In der Debatte um Ernst Moritz Arndt scheinen die Fronten verhärtet. Auf der einen Seite stehen die Befürworter. Es sind vor allem Greifswalder, die den pommerschen Dichter und Denker mit bemerkenswerter Entschlossenheit verteidigen. Auf der anderen Seite steht ein gewählter Senat, der sich des Namenspatrons mit Macht entledigen möchte. Gab man sich dort anfangs noch den Anschein einer historisch-kritischen Analyse, in der Arndt als unerwünschte Person der deutschen Geschichte erkannt und gebannt werden sollte, scheinen die Argumente mittlerweile beliebig:

 

OZ-Bild

Dr. Sascha Ott (51) ist

Mitglied der CDU-Fraktion in der Greifswalder

Bürgerschaft

Wettbewerbsvorteile, Weltoffenheit oder mangelnde Zufriedenheit der Studenten wurden nun in die Waagschale geworfen. Zuletzt geriet gar die Debatte selbst zum Argument: Man solle die Entscheidung der Universität endlich akzeptieren, sonst würde man den Streit nur weiter anfachen.

Der Greifswalder Bevölkerung wurde von vornherein das Recht abgesprochen, in dieser wichtigen Angelegenheit mitzuentscheiden. Ein solches Demokratieverständnis müssen die Entscheidungsträger nun gegen sich gelten lassen. Da hilft auch der Verweis auf die Hochschulautonomie nicht weiter. Autonomie befreit nicht von Verantwortung. Das Recht ist mit Augenmaß und Rücksicht auszuüben. Die Universität steht nicht außerhalb von Raum und Zeit, sie gehört dem Land Mecklenburg-Vorpommern und wir als Bürger sind dessen Staatsvolk.

Die Debatten haben Greifswald entzweit. Nun müssen wir die Gräben schließen. Dafür braucht es zuallererst guten Willen. Der angebotene „Runde Tisch“ wäre sicher geeignet – solange er nicht zur Kanzel wird, um das bereits festgelegte Ergebnis zu verkünden. Maßgeblich aber kommt es darauf an, jetzt keine vollendeten Tatsachen zu schaffen, sondern die Bürger aufrichtig in die Entscheidung einzubeziehen. Denn es gibt neben der juristischen auch eine politische Dimension, die Einfluss auf die beabsichtigte Namensänderung hat. Unsere Bildungsministerin bitte ich deshalb, auf eine Aussetzung der Entscheidung sowie eine nochmalige Abstimmung unter Beteiligung der Öffentlichkeit hinzuwirken.

Einen Gewinner hat die Debatte aber schon jetzt: die Demokratie. Wenn es drauf ankommt, gehen die Bürger mit Leidenschaft auf die Straße – ob für das Wolgaster Krankenhaus oder die Ernst-Moritz- Arndt-Universität. Das ist eine wichtige Mahnung an uns Politiker, nicht über die Köpfe der Menschen hinweg zu entscheiden. Für dieses Signal bin ich sehr dankbar.

OZ

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