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„Team EU“ ist der uneinholbare Sieger der Olympischen Spiele

Die vereinigten Sieger von Europa „Team EU“ ist der uneinholbare Sieger der Olympischen Spiele

Von Matthias Koch

In der Zionskirchstraße in Berlin-Mitte sitzt eine Werbeagentur, die viele Aufträge von der EU bekommt. Die Mitarbeiter sind inzwischen große Europa-Fans geworden und betrachten alles durch die blaue Brille mit gelben Sternchen, auch die Olympischen Spiele. Auf der Seite „www.medaillenspiegel.eu“ stellt die Agentur derzeit täglich die Olympiaergebnisse dar: Auf Platz eins der Goldmedaillenhitliste liegt, uneinholbar, die Europäische Union, gefolgt von den USA und China.

 

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Wer länger auf diese Liste blickt, kommt ins Sinnieren. Einerseits ist der Vergleich nicht ganz fair; die 28 EU-Staaten haben statistisch durch mehr Startplätze bessere Chancen. Andererseits: Am Ende gingen eben doch mehr Goldmedaillen an Sportler aus der EU (510 Millionen Einwohner) als an Sportler aus den USA (319 Millionen) und aus China (1,4 Milliarden) zusammengenommen.

Man sollte den Gedanken einfach mal zulassen: Würden die EU-Staaten tatsächlich als Einheit auftreten, wären sie ein unschlagbares Team, die Nummer eins in der Welt. Dieser Erfolg erwächst aus Vielfalt. An den britischen Radlern kommt man schwer vorbei, ebenso an den deutschen Dressurreiterinnen. Aus sehr individuellen Kulturen, Ausrichtungen und Lebensläufen entwickeln sich sehr individuelle Stärken – die dann in ihrer Addition nicht mehr zu toppen sind.

Auch im Fall der USA, Nummer zwei auf der Liste, ist die globale Dominanz eine Frucht von Diversität. Bei den amerikanischen Turnerinnen war das Publikum hin- und hergerissen zwischen Laurie Hernandez, deren Familie aus Puerto Rico stammt, und Simone Biles, einer Schwarzen, die 1997 als Tochter einer alleingelassenen drogensüchtigen Mutter in Columbus, Ohio, geboren wurde. Der Sieg solcher jungen Frauen ist auch ein Sieg gegen die Mauerbaumentalität, auch ein Sieg gegen den Rassismus.

„Stronger together“: Der Slogan der US-Demokraten passt zu dem, was in Brasilien gerade geschieht. „Das Team USA zeigt, wofür dieses Land steht“, freute sich Hillary Clinton und twitterte Fotos strahlender junger amerikanischer Sportler. Donald Trump twitterte dieser Tage lauter Bilder von sich selbst.

In Berlin, in Brüssel und in vielen anderen Hauptstädten der EU träumen manche zur gleichen Zeit leise von einem „Team EU“. Wird es so etwas jemals geben? Als erstes müssten sich die Briten besinnen und ihre unsinnigen Brexit-Pläne bremsen. Vielleicht sind ja die jüngsten Irrungen und Wirrungen nur eine Art Rüttelstrecke, eine Prüfung, bevor bessere Zeiten kommen: nach der Phase der Trumps, der Putins und der Erdogans.

Die Liste mit den vereinigten Siegern von Europa hat etwas Inspirierendes und Funkelndes. Es ist, in weltpolitisch düsterer Zeit, das schwache Glimmen einer nach wie vor brillanten Idee.

OZ

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