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Tipps von einem britischen Genie

Der Physiker Stephen Hawking setzt Akzente in der Brexit-Debatte. Tipps von einem britischen Genie

Die Fernsehsendung „Good Morning Britain“ liefert täglich von 6 bis 8.30 Uhr aus London einen Mix aus Informationen, Interviews und Unterhaltung.

Die Fernsehsendung „Good Morning Britain“ liefert täglich von 6 bis 8.30 Uhr aus London einen Mix aus Informationen, Interviews und Unterhaltung. Normalerweise ist das alles leicht konsumierbar, nebenbei zum Frühstück. Als aber soeben der fast vollständig gelähmte Stephen Hawking an dieser Stelle das Wort ergriff, elektronisch vermittelt durch seinen Sprachcomputer, ließen viele Zuschauer staunend das Brötchen sinken. Da sprach nun diese Ausnahmeerscheinung zu ihnen: ein britischer Astrophysiker, Relativitätstheoretiker, weltweit bekannter Buchautor, extrem behindert, geistig aber den meisten seiner Zeitgenossen rund um die Erde weit überlegen. Und dieser Mann wagte es, zur heiß diskutierten Frage eines Austritts Großbritanniens aus der EU einfach mal ein glasklares Nein zu formulieren.

 

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Von Matthias Koch

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Die Briten erleben so etwas jetzt häufiger. Der Tag der Volksabstimmung am 23. Juni rückt näher, die Meinungsforscher sehen die Europagegner erstarken – aber immer mehr kluge und bekannte Köpfe des Landes plädieren aus ganz verschiedenen Gründen für den Verbleib ihres Landes in der EU. 282 Stars und Prominente unterzeichneten einen offenen Brief, den der „Daily Telegraph“ veröffentlichte: Die Insel sei „stärker in Europa“ und bleibe auch „einfallsreicher und kreativer“, wenn der Brexit abgewendet werde. Die Schauspielerin Keira Knightley sieht es so, die Modeschöpferin Vivienne Westwood, auch der Autor John le Carré.

Es wurde höchste Zeit für so eine Gegenbewegung. Wohlstand durch mehr Abschottung? Für die Befürworter eines Brexits werden die nächsten drei Wochen noch kompliziert. Denn die Debatte wird jetzt von Tag zu Tag immer unübersichtlicher, sie gewinnt eine kulturelle, historische und philosophische Dimension. Sind die Briten Teil Europas – oder etwas ganz Eigenes, anderes? Noch in den 50er Jahren sollen Londoner Zeitungen getitelt haben: „Dichter Nebel im Kanal – Kontinent abgeschnitten.“ Man sah Big Ben immer noch als den Mittelpunkt der Welt. Im 21. Jahrhundert indessen könnten es die Briten sein, die abgeschnitten sind.

Mit seiner eigenwilligen Mischung aus Kühle und Autorität las Hawkings Sprachcomputer folgende Wörter vor: „Die Tage, an denen wir alleine für uns stehen konnten, gegen den Rest der Welt, sind vorbei. Wir müssen Teil einer größeren Gruppe von Nationen sein, sowohl für unsere Sicherheit als auch für unseren Handel.“ Es klang fast wie eine Ansage von einem anderen Stern. In Wahrheit aber muss man kein Albert Einstein sein, um zu solchen Erkenntnissen vorzustoßen. Hawking sprach Dinge aus, die seit Jahrzehnten für alle Nationen Europas Selbstverständlichkeiten sein sollten. In deren vorsichtiger Wiederentdeckung allerdings liegt nun in der Tat die historische Mission der intellektuell und kulturell führenden Leute in Großbritannien.

OZ

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