Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Unser Alptraum-Trip mit Air Berlin nach Italien

Unser Alptraum-Trip mit Air Berlin nach Italien

Es sollte ein entspannter Urlaub werden, doch OZ-Redakteur Alexander Müller erlebte mit Partnerin und Kind eine Odyssee

Seit Wochen steht die insolvente Fluggesellschaft in den Schlagzeilen. Etliche gecancelte Flüge, Piloten, die sich scharenweise krankmelden, Tausende betroffene Passagiere, täglich neue Schulden ...

Bang schauten meine Freundin und ich bereits Tage vor unserem Flug immer wieder auf die Homepage, ob unser Flieger von Berlin nach Rom und dann weiter nach Lamezia Terme mit Air Berlin und Alitalia auch wirklich abhebt. Wird schon gutgehen, dachten wir uns noch optimistisch einen Tag vorher.

Doch es ging nicht gut, im Gegenteil. Es ging so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Wir sitzen Mitte September voller Urlaubs- Vorfreude im Auto zum Flughafen, als der Blick aufs I-Phone die Befürchtungen wahr werden lässt: Der Flug nach Rom fällt aus. Angekommen in Berlin-Tegel, herrscht das Chaos. Etliche weitere Air-Berlin-Flieger bleiben am Boden. Für Hunderte Passagiere, die ihre Tickets umbuchen wollen, gibt es genau zwei Schalter. Während wir uns anstellen, erzählen uns andere Passagiere, dass sie stundenlang am Gate hingehalten wurden, bis die Info kam, dass sie nicht fliegen werden. Nach zwei Stunden haben wir uns endlich bis an die Spitze der Warteschlange vorgekämpft – wohlgemerkt alles mit Kleinkind auf dem Arm. An den Computern sitzen zwei Mitarbeiterinnen, die sich sichtlich bemühen. Sie müssen das Missmanagement ihrer Chefs ausbaden.

Die gute Nachricht: Wir kriegen ein neues Ticket. Die schlechte: erst am nächsten Tag. Ein Tourist neben mir fragt nach einem Hotel- Gutschein. „Den kann ich Ihnen zwar geben. Aber die Hotels nehmen unsere Voucher nicht mehr an“, antwortet die Dame. Irgendwie kann sie dann aber doch ein Zimmer für den Sizilien-Urlauber organisieren. Zum Glück lebt meine Familie in Berlin, dort können wir übernachten. Wir bekommen noch ein paar Tüten mit Wasser und ein paar trockenen Keksen und gehen.

Der Flug am nächsten Tag verläuft tatsächlich ohne weitere Zwischenfälle. Doch als wir am Abend erschöpft in Lamezia Terme aus dem Flughafen-Terminal treten, erwartet uns schon das nächste Problem:

Unser Mietwagen ist weg. Da wir einen Tag später als geplant eingetroffen sind, wurde das Auto an jemand anderen vergeben – obwohl wir das Unternehmen am Vortag über die Verspätung informiert haben.

Dass wir das Fahrzeug für zwei Wochen im Voraus über eine Vermittlungsplattform gebucht und bezahlt haben, interessiert niemanden. Wir müssen ein neues Auto mieten, für den doppelten Preis. Mir schießt der Spruch vom Teufel und dem größten Haufen durch den Kopf. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

Zwei Wochen später, Rückflug. Erst mit Alitalia nach Mailand und von da weiter mit Air Berlin nach Berlin – so ist es zumindest geplant... Wir haben unsere Koffer nach einem wirklich schönen Trip durch Süditalien am Check-in- Schalter in Lamezia Terme schon auf das Band gelegt, als die Mitarbeiterin plötzlich Sorgenfalten im Gesicht bekommt. Sie könne unsere Namen im System zwar sehen, doch es gebe keine Tickets.

Nach stundenlangen Recherchen stellt sich heraus: Durch den Ausfall des allerersten Air-Berlin- Fluges wurde automatisch unsere – längst bezahlte – Reservierung für den Rückflug gelöscht. Wieso, weshalb, warum, weiß keiner. Da unsere Plätze bereits an andere Kunden vergeben wurden, können wir nicht mehr mit.

Uns wird erklärt, dass wir erst am nächsten Tag abreisen können. Wir sind verzweifelt, unsere kleine Tochter quengelt, sie versteht die Welt nicht mehr. Das kann doch alles nicht wahr sein. Die Familientreffen, die wir für unseren letzten Urlaubstag in Deutschland geplant haben, sind damit hinfällig. Immerhin besorgt uns Alitalia unkompliziert Hotel und Verpflegung. Wir müssen nicht auf dem Flughafen übernachten ...

Nach einem weiteren Tag verschenkter Lebenszeit können wir endlich nach Berlin fliegen. Am Gepäckband in Tegel passiert schließlich, was passieren musste – sozusagen das i-Tüpfelchen auf dieser ganzen Misere: Ein Koffer ist weg. Wir sind nicht die einzigen Betroffenen. Bei einer anderen Familie mit einem Baby fehlt der Kinderwagen. Doch uns schockiert gar nichts mehr. Wir wollen nur noch nach Hause.

OZ

Voriger Artikel
Mehr zum Artikel
Bluttat in Las Vegas
Fassungslosigkeit: Der 64 Jahre alte Schütze hatte den Ermittlern zufolge mit einer automatischen Waffe in das Publikum eines Konzertes gefeuert.

Die Bluttat von Las Vegas gehört zu den entsetzlichsten Massenmorden, die die USA je erlebt haben. Erschwinglichkeit und Menschenmassen machen die Stadt zu einem der verwundbarsten weichen Ziele der Welt. Wird hier jetzt alles anders werden?

mehr
Mehr aus Kommentar
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Umfrage, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Umfragen" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Umfragen“ 2015-09-23 de MEINUNG Aktuelle Umfrage Ihre Meinung zählt: Geben Sie ein Votum ab zu aktuellen Themen aus Politik, Wirt- schaft und anderen Gebieten. Alle Umfragen auf einen Blick finden Sie hier.