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Von der Leyen darf den Doktor behalten. Eine richtige Entscheidung.

Anders als die anderen Von der Leyen darf den Doktor behalten. Eine richtige Entscheidung.

Oh je, eine Ministerin, eine im Bund und im Land einflussreiche Frau! Mit Blick auf Ursula von der Leyen und ihre Doktorarbeit wollte die Medizinische Hochschule ...

Oh je, eine Ministerin, eine im Bund und im Land einflussreiche Frau! Mit Blick auf Ursula von der Leyen und ihre Doktorarbeit wollte die Medizinische Hochschule Hannover auf gar keinen Fall irgendeinen Fehler machen. Und so nahmen sich die Gelehrten sechs Monate Zeit, um die nur 62 Seiten umfassende Arbeit zu überprüfen. Freche Studenten würden hinzufügen: zehn Seiten pro Monat, ein machbares Pensum. Von einer überstürzten Entscheidung kann also keine Rede sein.

 

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Eher muss man nach so gründlicher Prüfung respektieren, wie der Senat der Hochschule entschieden hat. Die Arbeit ist kein Skandal, sie ist aber auch nichts, worauf die Beteiligten nach 26 Jahren noch immer stolz wären. Hand aufs Herz: Ist das nicht sogar der Normalfall bei unzähligen medizinischen Doktorarbeiten?

Einmal mehr wollten Plagiatsjäger ein Kabinettsmitglied wegkegeln. Bei Karl-Theodor zu Guttenberg hat das geklappt, bei Annette Schavan auch. Doch im Fall von der Leyen rollt jetzt die Kugel polternd in eine andere Bahn: Der Wissenschaftsbetrieb als solcher gerät in den Blick. Man hört jetzt Fachleute vieler Fakultäten, Mediziner vorneweg, wie sie einander unter vier Augen eingestehen, dass über Jahrzehnte hinweg Doktortitel ziemlich billig zu haben waren.

Es ist gut, dass die Sensibilität gestiegen ist. Allerorten gibt es inzwischen Kommissionen, die über „Gute wissenschaftliche Praxis“ wachen und strengere Maßstäbe verkünden. Es ist aber auch gut, wenn bei nachträglichen Überprüfungen nicht neue Maßstäbe an alte Verhältnisse angelegt werden. Die Hochschule in Hannover hat an dieser Stelle die gebotene Fairness walten lassen.

Von Anfang an waren die Fantasien der Plagiatsjäger, man könne leicht auch von der Leyen zu Fall bringen, übertrieben. Anders als Schavan ist von der Leyen nicht Wissenschaftsministerin. Und anders als bei Guttenberg war ihre Doktorarbeit nicht Teil aktueller politischer Karriereplanungen. Guttenberg saß bereits im Bundestag, als er 2007 seine Doktorarbeit veröffentlichte; die Plagiatsvorwürfe folgten im Abstand von vier Jahren. Guttenbergs Reaktion geriet allzu arrogant: „Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten.“

Von der Leyen dagegen wollte 1990 noch Ärztin werden. Welche Fehler sie im damaligen Kontext machte, ist für eine Verteidigungsministerin heute politisch unwichtig — es sei denn, sie würde jetzt einen aktuellen Fehltritt hinzufügen, etwa durch Hochmut wie bei Guttenberg. Genau das hat sie sorgsam vermieden. Stattdessen bat sie von sich aus die Hochschule um Prüfung. Diese Prüfung wiederum hat sie bestanden. Mehr noch. Angela Merkel ließ wissen, sie wolle unabhängig vom Doktortitel an von der Leyen festhalten: Das ist ein interessantes Signal, vor allem in die CDU hinein.

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OZ

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