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Waffenruhe in Syrien löst nicht den Konflikt, ist aber ein Anfang.

Zarte Hoffnung auf Frieden Waffenruhe in Syrien löst nicht den Konflikt, ist aber ein Anfang.

Von Stefan Koch

Skeptisch blickt die Welt auf den brüchigen Waffenstillstand in Syrien. Angesichts der verworrenen Lage zwischen mehreren Dutzend Milizen und örtlichen Allianzen, die mal mehr und mal weniger mit dem El-Kaida- Ableger Al Nusra kooperieren, stehen die Chancen auf ein Einhalten der Feuerpause nicht besonders gut. Und doch keimt Hoffnung: Erstmals seit Jahren erscheint es wieder denkbar, dass ein ernsthafter Versuch beginnen könnte, Frieden zu erreichen.

Bisher ist die Lage so instabil, dass sich noch nicht einmal klar bezeichnen lässt, was eigentlich als Bruch des Waffenstillstands gilt und was als Bekämpfung der Terrorgruppen. Die russischen Karten zum Frontverlauf sehen völlig anders aus als die Materialien, die im Pentagon verwendet werden. Und dennoch ist das Bemühen auf beiden Seiten ernsthaft, das gemeinsame Vorhaben nicht leichtfertig zu stören.

Bis zu den ersten diplomatischen Aufeinandertreffen der Konfliktparteien ist es noch ein weiter Weg. Nach all den Fehlschlägen in den vergangenen Wochen und Monaten ist die Waffenruhe aber eine bemerkenswerte Entwicklung. Jeder Moment, der das Morden und Zerstören unterbricht, ist ein Geschenk für die leidtragende Bevölkerung.

Jetzt ist ein nüchterner Blick auf die Machtverhältnisse gefragt, um belastbare Lösungen zu finden. In kurzer Zeit hat sich Russland zum entscheidenden Akteur auf dem Schlachtfeld entwickelt. Der Kreml hält das Regime von Baschar al-Assad quasi im Alleingang am Leben. Für Damaskus sind zwar auch Truppen aus dem Iran und einige Einheiten aus dem Libanon im Einsatz, doch erst unter den russischen Bombardements brach der Widerstand gegen Assads Truppen an mehreren Fronten zusammen.

Weite Teile der internationalen Gemeinschaft empören sich — zu Recht — über das rigide Vorgehen Moskaus, klagen über neue Flüchtlingswellen und über erschreckend hohe Opferzahlen. Den Weg aus der Hölle des blutigen Bürgerkriegs weist aber letztlich nur eine realistische Einschätzung. Das gilt auch für die USA.

Das Weiße Haus stellte am Wochenende zwar vorsorglich fest, dass ein dauerhaftes Ende der Kämpfe nicht denkbar sei, solange Assad in Damaskus residiert. Tatsächlich aber sind die Amerikaner gar nicht bereit, stärker einzugreifen, um ihre Vorstellungen durchzusetzen. Schon die Forderung nach einer Flugverbotszone entlang der türkischen Grenze, die den Flüchtlingen sicheren Unterschlupf bieten könnte, erscheint der US-Regierung als zu brisant.

Angesichts des mangelnden Willens, selbst ein höheres Risiko einzugehen und die moderaten Rebellen zu unterstützen, bleibt nicht viel mehr, als sich der Macht des Faktischen zu beugen. Ein dauerhafter Frieden rückt damit in weite Ferne. Zumindest aber gibt es für die Betroffenen eine Atempause.

 



OZ

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