Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Was lähmt die Linkspartei?

Die Linke ist saft- und kraftlos, sagt Gregor Gysi. Woran liegt das? Was lähmt die Linkspartei?

Die Linke ist die größte Oppositionspartei im Bundestag, doch in den politischen Debatten merkt man davon derzeit wenig.

Die Linke ist die größte Oppositionspartei im Bundestag, doch in den politischen Debatten merkt man davon derzeit wenig. Die Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch geben sich redlich Mühe, in den Medien sind sie oft zu sehen – und doch hinterlassen ihre Thesen derzeit wenig Wirkung. Das politische Publikum wendet sich anderen zu, vor allem den Rechtspopulisten von der AfD. Die sind zwar noch außerparlamentarisch, aber längst schon die wahre Opposition, die die anderen Parteien in Zugzwang bringt und vor sich hertreibt.

Wie konnte es so weit kommen? Liegt es daran, dass der Meister-Rhetoriker Gregor Gysi nicht mehr vorn steht? Der Altvordere wirkt mittlerweile frustriert. Nach wie vor aber ist der einfache Abgeordnete Gysi eines der wichtigsten Sprachrohre der Linken. Dass er seine Partei soeben „saft- und kraftlos“ nannte, wird noch lange nachhallen.

Gysis Frust mag authentisch sein. Aber stimmen seine Analysen? Gysi meint, die Linkspartei deute zu wenig auf eine konkrete Machtperspektive im Bund. Tatsächlich aber spielen Politiker der SPD, der Grünen und der Linken in jüngster Zeit immer öfter mit der rot-rot-grünen Machtvariante, nicht nur in Hinterzimmern. Der gelungene Start des linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow in Thüringen unterstreicht es. An Machtperspektiven fehlt es nicht, jedenfalls nicht rein rechnerisch und theoretisch.

Was also lähmt die Linke? Ist es der Streit zwischen Befürwortern von Angela Merkels Willkommenspolitik (Gregor Gysi) und den Kritikern der Zuwanderung (Sahra Wagenknecht)? Natürlich bietet ein solcher Streit nichts Mobilisierendes. Doch seit es die Linken gibt, haben auch tiefe inhaltliche Gegensätze der verschiedenen Lager nie allzu großen Einfluss auf die Attraktivität der Partei gehabt.

Den Hauptgrund für die Schwäche der Linken ist ein anderer: Es gibt inzwischen eine für viele Wähler anziehendere Protestpartei – die AfD.

Die Linke hat zwar immer Politiker gehabt, die gestalten und auf seriöse Art Verantwortung übernehmen wollten. Daneben brachte sie aber stets auch Populisten und Fundamentalisten ins Spiel, die gegen „das System“ waren. Auf diese Art sammelte die Linke Wähler ein, die vor allem eins wollten: den etablierten Parteien am Wahltag einen Denkzettel verpassen.

Erst jetzt zeigt sich die gefährliche Unberechenbarkeit dieses sehr speziellen Wählerreservoirs, vor allem in Ostdeutschland. Und erst jetzt lernen viele Linke die Lektion, dass nun mal in unteren Einkommensgruppen die Furcht besonders groß ist, man könne von Zuwanderern aus der Wohnung oder vom Arbeitsplatz verdrängt werden. Wen aber wählt man, damit CDU, SPD, Grüne und FDP sich mal so richtig erschrecken? An dieser Stelle geben viele Wähler heute eine neue Antwort.

OZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Berlin

Gut 35 Millionen Google-Treffer finden sich zu Bob Dylan. Rund 100 Millionen Tonträger soll der legendäre Musiker verkauft haben - und damit weniger als Taylor Swift oder Justin Bieber. Doch mit schnöden Zahlen lässt sich das Kulturphänomen Dylan ohnehin nicht erfassen.

mehr
Mehr aus Kommentar
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Umfrage, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Umfragen" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Umfragen“ 2015-09-23 de MEINUNG Aktuelle Umfrage Ihre Meinung zählt: Geben Sie ein Votum ab zu aktuellen Themen aus Politik, Wirt- schaft und anderen Gebieten. Alle Umfragen auf einen Blick finden Sie hier.