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Was nützen neue PC, wenn es in Schulen von der Decke tropft?

Bildung braucht ein Update Was nützen neue PC, wenn es in Schulen von der Decke tropft?

Von Marina Kormbaki

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will in den nächsten fünf Jahren fünf Milliarden Euro für Computer und Wlan an Schulen ausgeben. Die eigentliche Nachricht dürfte für viele Bürger indes folgende sein: In der „Bildungsrepublik Deutschland“ (Merkel) verfügen im Zeitalter der „digitalen Wissensgesellschaft“ (Wanka) längst noch nicht alle Schulen über einen digitalen Anschluss. Leider.

 

OZ-Bild

Bildung in Deutschland braucht ein Update. Schön, dass die Bundesregierung ihre Verantwortung für die unterfinanzierten Schulen im Land erkannt hat und sie nun unterstützen möchte. Doch der Vorstoß

wirft ein Schlaglicht auf einen beklagenswerten Zustand: Bildung ist Ländersache. Das Grundgesetz verbietet es dem Bund, seine Milliardenüberschüsse den Schulen zugutekommen zu lassen. Für ihr Digitalisierungsprogramm behilft sich die Ministerin mit einer juristischen Krücke: Artikel 91c des Grundgesetzes ermöglicht ganz allgemein die Zusammenarbeit von Bund und Ländern in der Informationstechnik. Wobei sich Wanka die Zusammenarbeit so vorstellt: Der Bund zahlt für das Netz und kauft die Rechner – für deren Nutzung durch kompetente Informatiklehrer und Wartung durch IT-Spezialisten die Länder aufkommen sollen. Die allerdings können oft nicht einmal die Kommunen mit ausreichend Mitteln ausstatten, um marode Schulgebäude zu sanieren. Schimmelnde Klassenräume, verstopfte Schultoiletten – aber Rechner der neuesten Generation? Falls es noch eines letzten Beweises dafür bedurft hätte, dass das unsinnige Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in Bildungsfragen abgeschafft gehört: Das Digitalisierungsprogramm liefert ihn. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, wenn das Projekt scheitert, mag manch einer einwenden. Wozu braucht es denn Rechner und Internet im Klassenraum, wenn doch ohnehin fast jeder Schüler ein Smartphone besitzt und kaum noch aus der Hand legt? Sind ein paar Stunden offline nicht eine ganz heilsame Abwechslung zum dauerhaften Chatten und Daddeln? Und, mal im Ernst, haben heute selbst durchschnittlich begabte Schüler nicht schon sehr viel mehr Ahnung von der virtuellen Welt als ihr Lehrer?

Gerade weil der Umgang mit der digitalen Welt so selbstverständlich ist, gehört er in die Schulen. Es ist ein Irrtum zu glauben, junge Menschen seien allesamt „digital natives“, weil ihnen niemand beibringen muss, wie man googelt, online shoppt und Serien streamt. Der Konsum neuer Medien führt nicht automatisch zu ihrem Verständnis. Junge Menschen sollten aber eine Ahnung von dem haben, was sich hinter der schick designten Nutzeroberfläche verbirgt. Sie sollten wissen, wie programmierte Algorithmen ihre Entscheidungen beeinflussen. Ohne Technik geht das nicht. Ohne eigens ausgebildete Lehrer und die Aufwertung des Faches Informatik geht das erst recht nicht.

OZ

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