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Zschäpe verpasst ihre Chance

Gefühllos, seelenlos: Die Angeklagte im NSU-Prozess spricht. Zschäpe verpasst ihre Chance

Beate Zschäpe hätte wohl sowieso nichts sagen können, was allen Erwartungen gerecht geworden wäre.

Beate Zschäpe hätte wohl sowieso nichts sagen können, was allen Erwartungen gerecht geworden wäre. Dies ist auch einer der Gründe, warum ihre sogenannten Altverteidiger Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer der Hauptangeklagten im NSU-Prozess immer zum Schweigen geraten haben. Es wäre die bessere Verteidigungsstrategie gewesen. Und – das wissen wir heute – für die Opfer wäre Zschäpes weiteres Schweigen wahrscheinlich auch nicht schlimmer gewesen als ihre wenigen eigenen Worte, die sie gestern über die Lippen brachte. „Fehlleistungen“ nennt sie ihre Verstrickung in die Taten des NSU. Anteilnahme ist diesem Wort nicht zu entnehmen.

Fast dreieinhalb Jahre haben Angehörige der Opfer, Staatsanwälte, Richter und Prozessbeobachter auf diesen Moment gewartet: Die Frau, die vielleicht als Einzige die Wahrheit über den „Nationalsozialistischen Untergrund“ kennt, meldet sich vor Gericht endlich selbst zu Wort. Sie redet nicht frei, sondern liest vom Blatt ab. Und sie tut es viel zu spät. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Abwehrstrategie, die sich höchstens Zschäpe selbst und ihren amtierenden Verteidigern Mathias Grasel und Hermann Borchert erschließt.

Zschäpe muss bewusst sein, welche Bedeutung es insbesondere für die Familien der NSU-Opfer hat, von ihr selbst zu hören. Doch ihre Sätze drehen sich einzig und allein um sie selbst. Es wirkt wie ein verzweifelter Versuch, am Ende des Prozesses bei ihren Richtern um Milde zu werben. Ja, sie hat gesprochen. Viel mehr aber hat sie nicht getan. Dem Wortlaut nach distanziert sie sich von den Taten.

Sie beurteile Menschen heute nicht mehr nach ihrer Herkunft, sondern nach ihrem Benehmen, sagt sie. Zschäpes eigenes Benehmen spricht Bände: Den Opfern des NSU verweigert sie ausdrücklich weiterhin Antworten. Das Einzige, was Zschäpe noch hätte tun können, wäre, ihre eigene Persönlichkeit zu präsentieren. Sie, die vor Gericht behaupten ließ, sie sei selbst quasi zum Opfer ihrer Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt geworden, hätte Emotionen zeigen, Farbe bekennen, sich „nackig machen“ müssen, wie es der Mitangeklagte Carsten S. einmal genannt hat.

Doch Zschäpe hat nicht geweint, keine Scham gezeigt, nicht mit sich gerungen. Nicht einmal besonders aufgeregt wirkte sie, während sie sprach. Sie ist so schwer fassbar geblieben, wie es die Taten des NSU noch immer sind. Ihr Worte haben daran nichts geändert.

Ihre Einstellung habe sich gewandelt, beteuert Zschäpe. Heute sei sie nicht mehr rechts. Was hat diese Wandlung bewirkt? Wann hat sie eingesetzt? Wie blickt sie heute auf ihre angeblich überwundene menschenverachtende Überzeugung? Nichts davon beantwortet sie. Zschäpe hat ihre Fassade aufrecht erhalten. Einblicke in ihr Seelenleben gewährt hat sie nicht.

OZ

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