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Zum 1. Mai: Jobwunder ermöglicht Integration der Flüchtlinge

Tag der vielen Arbeit Zum 1. Mai: Jobwunder ermöglicht Integration der Flüchtlinge

Von Jörg Kallmeyer

Das Wunder geschieht immer am Monatsende: Aus Nürnberg werden Zahlen gemeldet, die ganz und gar nicht zu den düsteren Prognosen für den deutschen Arbeitsmarkt passen. Dunkle Wolken über Unternehmen?

 

OZ-Bild

Neue Belastungen durch Flüchtlinge? Die Berichte der Bundesagentur für Arbeit sagen etwas anderes: Die Zahl der Erwerbslosen sinkt, die Zahl der Jobs steigt. Aktuell beträgt die Arbeitslosenquote 6,3 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit 25 Jahren zum Start in den Mai.

Ja, Deutschlands Jobwunder speist sich vor allem aus Reformen, die schon lange zurückliegen. Ja, immer mehr Menschen rutschen in den Niedriglohnsektor ab. Eines Tages, das zeigt die aktuelle Rentendebatte, wird uns das teuer zu stehen kommen: Viele, die heute als Minijobber arbeiten, werden nicht genug für die Rente erwirtschaften. Und dennoch: Ganz Europa beneidet Deutschland um seine aktuelle Lage.

In Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas, ist die Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie in Deutschland. Staatspräsident François Hollande kämpft gerade um Reformen nach dem Vorbild der Schröder‘schen Agenda, sieht sich aber massiven Protesten gegenüber. In Frankreich steht die Gesellschaft vor einer Zerreißprobe. In Deutschland ist sie ausgeblieben — auch dank des besonnenen Kurses der Gewerkschaften.

Das deutsche Modell zahlt sich jetzt aus. Es ist wertvoller denn je: Das Land muss fast eine Million Flüchtlinge integrieren. Dass die Gesellschaft diese Aufgabe vergleichsweise gelassen angeht, liegt nicht allein im moralischen Anspruch begründet. Vielmehr führt die entspannte Lage auf dem Arbeitsmarkt direkt dazu, dass am Ende auch die Politik das Thema entspannter angehen kann als in den europäischen Nachbarländern. Vor allem in Osteuropa werden die Schutzsuchenden häufig als Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt und damit als Bedrohung wahrgenommen. In Deutschland sorgen vor allem die Wirtschaftsverbände für einen anderen Blick auf die Flüchtlingsströme: Sie hoffen, mit Einwanderern die demografischen Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu lösen. Anstatt zu klagen werben große Unternehmen in einer Kampagne „Wir zusammen“ schon fast rührig für Integration.

Die Aktion ist nicht ohne Eigennutz, sie führt aber direkt zur Lösung des Problems: Integriert ist in der Regel derjenige, der Arbeit in seiner neuen Heimat findet. Außen vor aber bleibt derjenige, der keinen Job hat.

Mit Kampagnen und Appellen allein, das wissen die Beteiligten, ist es nicht getan. Die Flüchtlinge müssen jetzt schnell qualifiziert werden, sonst sieht die Arbeitslosenstatistik spätestens in einem halben Jahr nicht mehr so rosig aus. Dass in Deutschland ein Mann die beiden Behörden für Flüchtlinge und für Arbeit leitet, könnte sich noch als sehr wertvoll erweisen.

OZ

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