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Groß Biestow Anwohner nicht informiert

Nils Goldammer aus Rostock

Rostock. Es hat sich also bewahrheitet. Als Herr Müller im Frühjahr diesen Jahres die zukünftige Verkehrserschließung für den B-Plan Kringelhof vorstellte, nahm er mir persönlich schon etwas zu häufig die Wörter: „Unter den derzeitigen Gegebenheiten“ in den Mund. Zum Beispiel war eine vierspurige Erschließungsstraße von der Mensa ins neue Gebiet „unter den derzeitigen Gegebenheiten“ vom Tisch oder auch die Weiterführung der Straßenbahnlinie. Und nun: Groß Biestow!

A-ha, konnte ich sage. Da läuft der Hase also. F-Planänderung. Wohngebietsausweisung. Stadtteilplanung am Reißbrett. Plattmachung eines der schönsten Naherholungsgebiete der Hansestadt. Wohnraum für die zukünftige Schwemme neuer Hansestädter.

Also, auch wenn es mir persönlich nicht gefällt, macht es ja irgendwie Sinn, wenn die Prognosen wirklich stimmen. Nicht immer nur vereinzelte Flickschusterei von leider häufig katastrophaler Lückenbebauung auf Teufel komm raus, sondern mal was Zusammenhängendes, Ganzeinheitliches.

Was ich aber nicht verstehe: Warum sprechen die Stadtplaner an besagter Vorstellung nicht einfach Klartext? Was ist daran so schwierig, die bereits hier lebenden Hansestädter abzuholen und reinen Wein einzuschenken? Weil damals noch nichts spruchreif war, sondern nur eine Idee, ein Gedankenkonstrukt? Aber sind erste Gedankenkonstrukte nicht die beste Basis für ein gemeinsames Weiterentwickeln? Warum also ein „Unter-den-derzeitigen Gegebenheiten“, anstatt ein „Wir-stellen-uns-die-Zukunft-so-vor?“

Man hätte die Idee von einem neuen Stadtteil schon einmal vorstellen können (Selbstverständlich mit den Worten: „Es ist nur eine Idee, noch nichts ist spruchreif!“ in jedem 5. Satz). Natürlich wären die Leute anschließend etwas aufgebracht gewesen, aber das waren sie ja ohnehin. Aber man hätte – nach einiger Zeit der Gemütsabkühlung – sich wirklich einfach mal zusammensetzen können und Ideen entwickeln, diskutieren, verwerfen und formen können. Bis am Ende als der möglichst größte gemeinsame Nenner ein neuer Stadtteil stehen würde. Von Rostock, für Rostock.

Die Chance war da, ergriffen wurde sie aufgrund der derzeitigen Gegebenheiten jedoch nicht. Jetzt bin ich auf die nächste Bürgerrunde gespannt, wie Herr Müller gedenkt, die Wogen zu glätten. Gefühlt kann er froh sein, nicht mit der Mistforke aus der Stadt gejagt zu werden. Aber vielleicht möchte er das ja. Ein Wut der Bürger, die bestätigt, dass mit den Bürgern kein konstruktives miteinander möglich ist.

Also schlucke ich wohl erst einmal meine Wut herunter und lass die Mistgabel zu Hause. Der Weg zu einem festgezurrten Stadtteil hat ja gerade erst angefangen und ist noch weit. Platz für viele Ideen und Vorschläge, wo und wie wir neue Hansestädtern in unserer schönen Stadt unterbringen können, sollte also da sein, oder?

Nils Goldammer

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