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Arbeit an der Grenze des Zumutbaren

Rostock Arbeit an der Grenze des Zumutbaren

Andreas Reincke aus Rostock

Rostock. In Zeiten der Debatten um den Mindestlohn, um seinen Sinn und die Zumutung, die manche Arbeitgeber erwarten, wenn eine einfache Erhöhung ansteht, ist es an der Zeit auch einmal von Arbeitnehmern zu schreiben, die mitten im System zu Lohndumping und privater Sklaverei verdammt sind.

Dabei geht es mir nicht um Mitarbeiter im Callcenterbereich (die leben dagegen in Saus und Braus), sondern um die Mitarbeiter im Reinigungsbereich. Es sind Dienstleister, die oftmals am Rande des Zusammenbruches arbeiten müssen. Egal an welchem Tag und besonders am Wochenende und an Feiertagen.

Die Reinigungskräfte des InterCity Hotels in Rostock sind nur wenig an der Zahl (insgesamt 8) und halten dieses Hotel sauber mit seinen 174 Zimmern (Bei Vollverbuchung kommen auf jeden Mitarbeiter mehr als 20 Zimmer). Nun stellt sich für viele von Ihnen sicher die Frage, warum eine Firma mit nur 8 Mitarbeitern dieses Hotel alleine putzt, so kann ich Ihnen dies beantworten.

Der Grund warum es nicht mehr Mitarbeiter gibt liegt einfach darin geschuldet, dass diese Mitarbeiter nicht nach Stunde bezahlt werden, sondern nach Zimmern. 3,5 Zimmer muss ein Mitarbeiter hier reinigen um den vagen Mindestlohn von 8,80 EUR zu schaffen. Klar sagt man sich, das ist doch für eine geübte Reinigungskraft kein Problem. Ungeachtet dessen, dass das Bad komplett verglast ist. Doch dieses Hotel und die Chefin der Reinigungsfirma rechnen anders.

Um an den Stundenlohn zu kommen wird einfach die Anzahl der Zimmer, die am Tag geschafft werden, addiert und dann durch die 3,5 Zimmer die Stunde geteilt. Selbst wenn der Arbeitnehmer von 6 Uhr morgens bis 17 Uhr nachmittags arbeitet und in der Zeit zwischen 17 - 21 Zimmer schafft, so werden hier für eine Arbeitszeit von 11 Stunden nur die Zimmer berechnet. Bei 21 Zimmern werden hier so 6 Arbeitsstunden berechnet. Die Restarbeitszeit wird unter den Tisch gekehrt und existiert nicht. Auch die gesetzliche Regelung, dass nach 10 Tagen durchgehender Arbeit dem Arbeitnehmer mindestens einen oder gar 2 freie Tage zuzustehen.

Arbeitnehmer dürfen bis zu 14 Tage arbeiten, bekommen einen freien Tag, an dem sie auch noch auf Bereitschaft stehen dürfen und dürfen dann wieder ran. Gern auch wieder so lange. 2 Urlaubstage nach einer Hochzeit gibts nicht. Eine Urlaubssperre ist zwar in der Hauptsaison sinnvoll, dies sollte aber nicht für Ruhetage gelten.

Das Jobcenter was hier mit vermittelt, kennt die Umstände, kennt die Arbeitsverträge und tut nichts, denn die Arbeitnehmer sind immerhin nicht in der Statistik der Arbeitslosen drin. Und bekommen ja den Mindestlohn.

Andreas Reincke

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