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Arndt und kein Ende

Arndt-Debatte Arndt und kein Ende

Dietlinde Wenk aus Wackerow bei Greifswald

Wackerow bei Greifswald. Arndt und kein Ende. Die Rektorin der Greifswalder Universität hat in vielem Recht. Natürlich braucht eine Universität ständig Erneuerung und Innovation, vor allem in der Wissenschaft. Leider hat eine Ablegung des Namenspatrons Ernst Moritz Arndt mit Innovation wenig zu tun. Künftig soll die Uni bloß noch Universität Greifswald heißen? Das mag ja keinen Anstoß erregen - eine besondere Neuerung oder Innovation ist dies jedoch nicht. Man kann und sollte sich im Gegenteil ständig neu und mit neuen wissenschaftlichen Akzenten mit Arndt beschäftigen. Jede Generation auf ihre Weise. Den Namen einfach abzulegen, ist eine allzu bequeme und wohl kaum wissenschaftlich zu begründende Art und Weise.

Sicherlich, man könnte sich auch noch mit Arndt beschäftigen, wenn die Universität nicht mehr seinen Namen trägt. Dennoch ist die Ablegung des Namens eine massive Schädigung der Person Arndt und eine deutliche Kränkung all jener Menschen, die an ihm festhalten wollen - ob dies nun gewollt war oder nicht. Es ist auch keineswegs so, dass nur die ältere Generation an Arndt festhalten will - während die junge Generation ihn ablehnt. Schon die Abstimmung von 2010 unter allen Studenten hat gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. Trotz einer massiven Anti-Arndt-Kampagne forderte nur ein sehr kleiner Teil der Studenten die Ablegung des Namens. Auch heute gibt es zahlreiche junge Menschen - auch Studierende - die an dem Namen festhalten wollen. Jede Generation soll sich neuen Herausforderungen stellen - aber jede Generation braucht auch Wurzeln - und vielleicht ganz besonders die heutige. Arndt ist eine der Persönlichkeiten, die es vermögen können, sich mit der hiesigen Region und seiner Geschichte verbunden zu fühlen aber auch mit der Geschichte unserer Demokratie.

Wurzeln kappen lässt ins Leere fallen. Sollten nun andere Universitäten dem Beispiel Greifswalds folgen und nach Arndt nun auch Namen wie Goethe, Schiller, Humboldt, Luther u.a. ablegen? Soll das Innovation sein? Ich denke nicht, im Gegenteil.

Jede Generation ist es Wert, zu erleben, dass diese Persönlichkeiten weiterhin geehrt werden und es wichtig ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, natürlich auch kritisch und auf jeden Fall neu und innovativ.

Dietlinde Wenk

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Greifswald
Dieses Foto mit Eisstrukturen am Kooser See – aufgenommen im Januar 2017 – schickte uns OZ-Leser Wolfgang Schielke. Eingefügt hat er ein Gedicht von Ernst Moritz Arndt (1769-1860). „Von mir ein stiller Gruß an den verehrten Namenspatron meiner früheren Universität“, schreibt Schielke, der von 1974 bis 1979 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald studiert hat.

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