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Richard Schwarz aus Stralsund

Stralsund. Gestatten, m., 18 Jahre jung, Erstwähler zur LTW 16. Wann ist nochmal Landtagswahl? Ich glaube, irgendwann im September. Ich brauch das nicht zu wissen, denn ich bin ja noch jung und deshalb politikverdrossen, so meinen manche Politiker. Nichtsdestotrotz werde ich am 4. September 2016 meine Erst- und Zweitstimme abgeben. Wen ich wählen werde? Das weiß ich noch nicht.

Ein kleines Resümee: Die Stadt ist zugekleistert mit Wahlplakaten. In ihrer Penetranz geben sich alle Parteien nicht viel. Kann denn niemand mehr mit Inhalten und Bürgernähe überzeugen? Wenn jemand versucht bürgernah zu sein, dann ist es Frau von Allwörden. Auf ihrer Seite lässt sich lesen, dass sie die Patenschaft für das Kamelbaby Elli im Stralsunder Tierpark übernommen hat, außerdem veranstaltet sie ein Familienfest und Waffeln hat sie auch schon ausgeteilt. Aber wo ist der Inhalt? Lässt sich durch ihre Patenschaft darauf schließen, dass sie den Tierparks mehr Gelder zukommen lassen will oder postuliert sie mit ihrer Waffelaktion, dass sie sich für gesündere Mahlzeiten in den Schulen und Kindergärten Mecklenburg-Vorpommerns einsetzt? Alles nur vage Vermutungen. Doch sie ist sich sicher, dass sie „mit Sicherheit die beste Wahl“ ist. Als Erstwähler, der weder in den Tierpark noch zur Schule geht, sind das allerdings keine Themen, die mich das Kreuz bei der CDU machen lassen.

Aber auch die SPD mit ihrer Direktkandidatin Frau Dr. Carstensen machen auf mich keinen kompetenten Eindruck. Wer für seine Partei damit wirbt, dass unser derzeitiger Ministerpräsident der selbigen angehört, lässt die Themen zurück und beruft sich auf einen status quo und hofft damit Stimmen zu ergattern. „War ja nicht alles schlecht.“

Eine ähnliche Methode verfolgt auch die FDP: „Jede Stimme für die FDP, ist eine gegen die AfD“. Ja, aber genau so gut kann ich auch alle anderen wählen oder gar meine Stimme ungültig machen oder nicht? Nicht gerade überzeugend. Frau Dr. Carstensen meine Erststimme zu geben ist zwar eine Option, nur habe ich bis dato nicht viel von ihr gehört. Frau Allwörden habe ich wenigstens schon mit unserem Bürgermeister Herrn Badrow vor dem Strelapark kräftig die Werbetrommel rühren sehen. Naja, immerhin sieht Frau Dr. Carstensen auf ihren Wahlplakaten sehr freundlich aus. Aber kann das ein Grund sein, jemanden zu wählen?

Insgesamt merkt man, dass SPD und CDU um Verluste bangen. Ministerpräsident Sellering und Innenminister Caffier konnte man im NDR bei DAS! sehen. Wären sie doch auch während der Legislaturperiode so bürgernah und allgegenwärtig gewesen. Dann wären mir die beiden und ihre Parteien etwas vertrauter.

Die Linke verwirrt mich mit ihrem Wahlplakat „Diese Liebe hält nicht nur einen Sommer“ (oder so ähnlich) mehr als irgendwie Eindruck zu schinden. Spielt dieser Slogan auf irgendeinen veralteten Landarztroman an, den ich nicht kenne?

Einzig und allein die Grünen versuchen mit ihren Wahlplakaten die jüngere Wählerschaft zu mobilisieren. Die Plakate sind bunt gehalten. Könnte genau so gut das Werk eines Grundschülers sein. „Für Energie und Fluss!“, siehe da, die erste Forderung! Sie und noch einige andere haben zudem keine Wahlplakat aus Plastik, sondern die ökologischere Pappversion gewählt. Das finde ich sympathisch. Trotzdem sind es meiner Meinung nach auch dort noch zu viele Plakate.

Wenn es nach der NPD und ihrem „OFFLINE WAHL-TREND“ ginge, müsste ich ihnen meine Stimme geben, da ich für kostenlose Schulbücher und für mehr Ärzte im ländlichen Raum bin. Nenne mir bitte jemand eine Partei, die diese Meinungen nicht teilt. Also für mich doch keine Alternative.

Wo wir bei Alternative sind. Ja was ist mit der eigentlich mit der AfD? Immerhin neben der FDP die einzige Partei, die Wahlwerbung im Internet schalten lässt. Also trifft sie zumindest schon einmal den Zahn der Zeit. Wenn ich mir die Plakate ansehe, traue ich mich aber kaum noch aus dem Haus. Deutschland scheint kurz davor zu sein, sich in Luft aufzulösen. Seit Beginn der „Flüchtlingssache“ hat sich in meinen Augen nicht viel im Stadtbild Stralsund getan. Ein paar mehr junge Männer, Familien mit kleinen Kindern und etwas mehr Vielfalt. Ist das für viele wirklich schon zu viel? Ich mag keinen Streit anfangen, aber viele Beweggründe, die AfD zu wählen, scheinen mir irrational.

Bevor ich zu einer endgültigen Entscheidung kommen werde, bleibt mir glücklicherweise noch etwas Zeit, die ich nutzen werde, mir die Wahlprogramme anzusehen, vielleicht ein paar Infostände der Parteien aufzusuchen. Den Wahl-O-Mat der Bundesagentur für Politische Bildung gibt es ja nun zum zweiten Mal in Folge NICHT, da die beiden Regierungsparteien nicht teilnehmen wollten.

Um nun aber auf meine Eingangsthese zurückzukommen: Politiker meinen, die Jugend sei nicht an Politik interessiert. Warum ist das wohl so? Vielleicht weil ihr es uns unnötig schwer macht: die Plakate der meisten Parteien sind nichtssagende Pappaufsteller, Politiker verteilen lieber Waffeln und Heliumballons an Kinder, um die Stimmen ihrer Eltern zu bekommen, anstatt sich mit Heranwachsenden und Erstwählern auseinanderzusetzen, sie nehmen uns die Möglichkeit, Angebote wie den Wahl-O-Mat zu nutzen, damit die Wahlentscheidung nicht ganz so schwer fällt und man sich neben Arbeit, Ausbildung, Beziehung, Familie, Freunden, Schule, Studium und Partys nicht noch mit ellenlangen Wahlprogrammen beschäftigen muss, die sich nur in Nuancen voneinander unterscheiden. Mein Appell an die Politiker für die kommenden Wahlkämpfe: Weniger Köpfe, mehr Inhalt auf die Plakate. Keiner wählt euch, weil ihr gut ausseht.

Richard Schwarz

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