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Gespräch mit einer syrischen Mutter

Bewegende Geschichte eines Flüchtlings Gespräch mit einer syrischen Mutter

Jana Hoffmann aus Rostock

Rostock. Gespräch mit einer syrischen Mutter: "Anstelle von Bettgeschichten, die ich meinen 2 kleinen Jungs (8 und 6 Jahre) erzählte, sprach ich mit ihnen darüber, wie man sich vor amerikanischen Bombardierungen in Syrien schützen kann und vor anderen Anschlägen und Attacken, die in und um die Stadt stattfinden :-( Ich begann, ihnen zu erzählen, wie man sich verhalten muss, wenn ein Märtyrer das Gebäude trifft, in dem wir wohnen. Der 12. Stock ist viel zu hoch, um schnell zu Fuß nach unten zu gelangen. Sie dürfen nicht den Fahrstuhl benutzen, weil es zu gefährlich ist. Ich sagte ihnen, wie sie ihr Gesicht bedecken müssten und die Nase, um kein Gas einzuatmen. Dass das Bad, der Flur oder das Treppenhaus die sichersten Orte sind, bis die Bombardierung zu Ende ist.

Ich begann, sie die Telefonnummer ihres Vaters und von mir auswendig lernen zu lassen. Ich gab ihnen die Anweisung, niemals die Hand des anderen loszulassen. Auf gar keinen Fall. Und ich fragte sie, ob sie den Weg zu ihrer Großmutter zu Fuß kennen (2km). Sie sagten ja .... Sie wurden blass und traurig...

Mein kleiner Sohn sagte mit Tränen in den Augen: Warum hast du so viel Angst, vor dem was passieren kann. Du wirst uns nie alleine lassen!!! Der Ältere sah mich nach Antworten bittend an... Ich atmete tief ein, umarmte sie fest und sagte, dass ich sie nie verlasse, aber ich ihnen beibringen muss, wie sie sich selbst beschützen können, wenn mir etwas zustößt.

"Ihr seid jetzt alt genug und könnt euch auf euch selbst verlassen". 6- und 8jährige Jungs sind sicher nicht erwachsen, aber was sollte ich tun. Krieg ist schwer und weil ich meine Kinder liebe, habe ich ihnen beigebracht, wie sie sich in solch einer beängstigenden Situation verhalten müssen. Der unschuldige Blick wurde von den Gesichtern meiner Kinder gestohlen und durch Angst ersetzt... Angst davor, ein Elternteil zu verlieren, ein Haus, einen Bruder...den Frieden zu verlieren."

Am Ende des Gesprächs hatten wir beide Tränen in den Augen. Sie hat mir erlaubt, ihre Worte mit Euch zu teilen. Ich danke ihr für ihr Vertrauen und habe tiefen Respekt vor ihrer Stärke.

Jana Hoffmann

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