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Schlagerquote im Radio Lukratives Geschäft

Peter Sattler aus Ribnitz-Damgarten

Ribnitz-Damgarten. Der deutsche Hörfunkraum kennt zwei Verbreitungsarten, ähnlich dem TV-Senderangebot. ÖR und Privat. Das Kürzel ÖR steht für "Öffentlich-Rechtlich". Während z.B. Radio MV ein Bestandteil des ÖR-TV-und-Hörfunks ist und dem NDR untersteht (NDR 1 - Radio MV), sind andere Sender, z.B. Antenne MV rein Privat.

Daher dudeln diese auch Werbung. Sie finanzieren sich aus diesen Einnahmen.

Radio MV hingegen lebt von der GEZ. Alle Sender - egal ob privat oder ÖR müssen an die Gema Gebühren für das Dudeln der Musik entrichten. Und das ist nicht wenig. Während die Privaten dafür mehr finanzielle Mittel aufbringen können, müssen die ÖR mehr kalkulieren. Daraus resultiert auch der Fakt, daß einige Titel dort öfter - zu oft - gedudelt werden, wie z.B. Lindenberg rauf und runter, sowie ganze redaktionelle Beiträge sich mehrmals über den Tag verteilt wiederholen. Anzeichen von Geldmangel. Diese redaktionellen Artikel brauchen kein On-Time Moderatorenteam sondern eine Playlist, die computergesteuert die vorher abgemischten Sequenzen abspielt. Sekundengenau.

Zur Playlist. Diese muß vorher der Gema vorgelegt und genehmigt werden. Sind die Titel gedudelt, bekommnt der Künstler seine Tantiemen von der Gema, eben jene Zahlungen, welche von den Rundfunkanstalten der ÖR und der Privaten an die Gema entrichtet wurden. Je öfter ein Künstler gespielt wird, um so mehr Tantiemen. Alles klar?

Geschichte kurzgefaßt: Die Gema wurde 1903 als sog. AFMA gegründet, zur Zeit des NS als STAGMA, danach dann 1947 im Westen die Gema und 1950 im Osten die AWA.

Zur Bohlensteuer. Diese Steuer wird jedem Produkt aufgeschlagen, welches geeignet ist, Musik zu speichern und abzuspielen. Festplatten im PC gehören ebenso dazu, wie CD-Rohlinge, sog. Leermedien in Form einer CF oder SD-Card, einem USB-Stick etc.

Mancher kann sich bestimmt noch an die zu DDR-Zeiten üblichen Preise für Leermedien erinnern. Leer-Kasetten kosteten 20 Mark, eine Leer-Videokasette 200 DDR-Mark. Dieser Preis resultierte aus den Kopierrechten der AWA, der Anstalt zur Wahrung von Aufführungsrechten. Und damit war dann alles abgegolten und der Musikliebhaber konnte aufnehmen, wo er wollte. Es gab ganze Sendungen dafür. Z.B. die berühmte Sendung "Vom Band - Fürs Band - der Mitschnittservice", oder auch "Wünsch Dir doch mal Tanzmusik"

Das war damals wesentlich gerechter und auch einfacher als die heutige Hatz auf die sog. Raubkopierer vom Napster-Network und die lukrativen Machenschaften der Abmahnanwälte. Aber im Gegensatz zur DDR-Zeit, wo die Quotierung rein (finanz-)politische Gründe verfolgte, ist die heute geforderte Quote rein subjektiver Natur und jedes Jahr zur Karnevalszeit aktuell. Und sie ist eben eine Frage der Geldbörse. Oft habe ich den Eindruck, als wenn die Radiosender der ÖR - hier eben Radio MV - die finanziell prekäre Lage solcher Zeitgenossen wie Lindenberg lindern sollen. Oder pushen, wie z.B. Meyer-Landrut, eine One-Day-Wonder-Interpretin, die 2010 zum ESC von den ÖR-Radiosendern innerhalb kürzester Zeit übergeduldelt wurde. Bis zum Exzess. Es gab damals haufenweise Beschwerden der Hörer deswegen. Das ist für mich pures Product-Placement auf Kosten des Steuerzahlers und somit Geldverschwendung.

Darüber, was die ÖR-Radiosender dudeln, bestimmt nicht der Kunde. Es ist oft genug durch Lobbyismus und von der mangelhaften Dicke der Geldbörse gesteuert. Aber auch hierbei gilt heute wie auch damals zu DDR-Zeiten: Allen Leuten Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Demos Pro und Kontra halte ich für überflüssig. Man sollte auch hierbei mit den Füßen abstimmen. Das "Internetz" bietet genug Platz auch für Exoten und Extravaganzen. Dort steht es jedem Hörer frei, sich Lindenberg und Delay reinzuziehen, bis die Boxen platzen oder sich das Musikantenstadl zu verinnerlichen. Sogar für Quermanns "Schlagerevue" gibt es noch Fans.



Peter Sattler

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