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Plattdeutsch ist praktisch schon tot!

Niederdeutsch-Studie: Im Nordosten snacken viele Platt Plattdeutsch ist praktisch schon tot!

Thorsten Filter aus Patzig

Patzig. Auch wenn die Niederdeutsch-Studie ein positives Bild vermittelt, wird Plattdeutsch sterben, weil diese Sprache praktisch nicht mehr von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird und nicht im Alltag verwendet wird, vielleicht von einigen Ausnahmen abgesehen. Wenn diese natürliche Weitergabe nicht mehr funktioniert, wird eine Sprache moribund, sie gerät in Lebensgefahr. Die Großeltern könnten dieser Entwicklung entgegenwirken. Doch wie viele sehen ihre Enkelkinder täglich? Und wollen sie überhaupt Platt mit ihnen sprechen?

Es ist unglaublich, aber es gibt Plattdeutschsprecher, sogar Mitglieder und Vertreter in Heimatverbänden, im Niederdeutschbeirat oder an plattdeutschen Bühnen, die immer wieder beteuern, wie wichtig es sei, dass Plattdeutsch erhalten bleibe. Doch diese Menschen sprechen mit ihren (Enkel-)Kindern Hochdeutsch! Es gibt Wissenschaftler der Niederdeutschen Philologie, die – wenn überhaupt - nur mit Mühe auf Plattdeutsch radebrechen können, geschweige denn plattdeutsche Sach- oder gar Fachtexte verfassen können. Plattdeutsch erscheint nur am Rande in den Medien, moderne plattdeutsche Musik zum Beispiel (die gibt es!) wird nicht gespielt, sogar hochdeutsche Musik hat es bekanntlich schwer.

Es gibt keine einheitliche Schriftsprache, die die Grundlage für eine schulische Vermittlung bis zum Abitur sein muss. Stellen Sie sich einen Lehrer vor, der an einem Tag „Hus“, am anderen „Huus“ an die Tafel schreibt? Was für ein Chaos! Angeblich sind die dialektalen Unterschiede zu groß, was so nicht stimmt, denn ein Bremer Plattsprecher kann sich problemlos mit einem Rostocker Plattsprecher unterhalten. Die Unterschiede im Wortschatz sind nicht größer als die zwischen dem Hochdeutschen in Deutschland und Österreich. Es ist mir unbegreiflich, warum man sich nicht darauf einigen kann, für „Haus“ im gesamten plattdeutschen Gebiet „Hus“ oder „Huus“ zu schreiben oder für „schreiben“ „schrieven“ oder „schriewen“. Spielen Eitelkeiten eine Rolle?

Eine gemeinsame Schriftsprache ist möglich, allerdings ist sie NICHT über Nacht zu schaffen. Kompromissfähigkeit und -wille sind die Zauberworte! Und das Überwinden der Zauderer, Verhinderer und Platzhirsche in den Vereinen und leider auch in der Wissenschaft.

Alle Lüd', de willen, dat Platt wiederleven sall, de möten de Sprak bruken, to Hus, bi'e Arbeid, bi't Inköpen, up Schol, mang de Nabers, de Fründ'. De möten lud seggen, dat se plattdüütsche Musik hüren willen, dat se plattdüütsche Texten lesen willen, nich bloots 'n langtoegsch Gedöns odder Riemels, man ok Saken- odder Facktexten. Leve Lüd', redt Platt, hürt Platt, lest Platt, schrievt Platt, anners ward dat nix!

Thorsten Filter

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