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Pommernlied und Ernst Moritz Arndt

Arndt-Debatte Pommernlied und Ernst Moritz Arndt

Marianne von Weber aus Weitenhagen

Weitenhagen. „Wenn in stiller Stunde, Träume mich umwehen“ ist der Liedanfang unseres Pommernliedes. Derzeit bekommt man eher Albträume, wenn man die Geschehnisse um die Säuberung des Namens Ernst Moritz Arndt an einer Universität erlebt, die die älteste Preußens und einzige Pommerns ist, erleben muss. Wir erinnern uns: Das Pommernlied war in der damaligen DDR verboten, 45 Jahre gab es den Begriff Pommern in der Schule nicht. Pommernland ist abgebrannt. Ausgelöscht. Nun geschieht es wieder.

Arndt, einer der bedeutendsten Demokraten wird aus dem nationalen Erinnerungshorizont einer Universität, einer Region getilgt durch einen selbstherrlichen Senat, der mit seinem Beschluss sich zu einer politisierten, hoffärtigen Institution erhebt. Ihnen, diesen Studenten und Professoren, fehlt jede Demut gegenüber den Leistungen früherer Generationen. Wir verdanken Ernst Moritz Arndt viel, wie auch Martin Luther, obwohl beide ihre dunklen Seiten haben!

Ernst Moritz Arndt kämpfte gegen Pressezensur und Leibeigenschaft. Er stritt für eine unabhängige Rechtssprechung, eine allgemeine Schulbildung. Er kämpfte gegen Pfaffenherrschaft. Und er setzte sich für eine die Zivilisten schonende Landeskriegsordnung ein, die 100 Jahre später zu internationalem Recht erhoben wurde! Was für eine Leistung! Eine Leistung mit einer Nachhaltigkeit, die ihresgleichen sucht. Er war vor 200 Jahren einer unserer führenden Demokraten und er ist Pommer.

Die Napoleonischen Kriege wüteten verheerend in ganz Europa, so auch in Deutschland. Das Morden auch von Kindern und Frauen nahm kein Ende. Keine Frage aus der Zeit heraus war Arndt Franzosen- und Judenhasser. Aber: Arndt hat den Juden Bürgerrecht zuerkannt, wenn sie sich denn zum Christentum bekennen. Auch das stimmt.

Man kann nur an die Menschenvernunft der Damen und Herren Senatoren appellieren. Selbiges geht auch an die Mitglieder der Bürgerschaft aus der Rot- Rot- Grünen Fraktion und den derzeit amtierenden Oberbürgermeister. Sie haben alle nicht dem Volk aufs Maul geschaut, sondern gegen eine andere Fraktion in der Bürgerschaft gestimmt. Es ging ihnen nicht um Arndt. Leider. Das ist fast schon fahrlässig in einer Zeit, in der es immer schwerer geworden ist, einen Grundkonsens parteiübergreifend zu artikulieren und vor allem respektvoll mit dem politischen Gegner umzugehen. Hier geht es aber um Ernst Moritz Arndt, um seine Verdienste für Pommern, für Deutschland und für Europa.

Welcher Irrglaube der Studenten und der Universitätsleitung, eine Universität bräuchte keinen Patron, das wäre nicht zeitgemäß, nicht nachhaltig. Kinder brauchen Vorbilder, Erwachsene brauchen Vorbilder nach denen sie streben. Es steht einer Universität gut an, ein Vorbild zu haben. Und für die Universität Greifswald kann es kein besseres Vorbild geben als Ernst Moritz Arndt.

Arndt darf nicht aus dem nationalen Erinnerungshorizont dieser Universität getilgt werden. Er wirkt nachhaltig!

Marianne von Weber

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Greifswald
Dieses Foto mit Eisstrukturen am Kooser See – aufgenommen im Januar 2017 – schickte uns OZ-Leser Wolfgang Schielke. Eingefügt hat er ein Gedicht von Ernst Moritz Arndt (1769-1860). „Von mir ein stiller Gruß an den verehrten Namenspatron meiner früheren Universität“, schreibt Schielke, der von 1974 bis 1979 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald studiert hat.

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