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Rentenbluff!

Mindestlohn reicht nicht für Rente oberhalb der Grundsicherung Rentenbluff!

Benno Thiel aus Rostock

Rostock. Die angeblich "fette" Rentenerhöhung ist kein Verdienst der Bundesregierung, sondern unterliegt den Kriterien, die 1957 festgeschrieben wurden. Damit werden die Renten schlichtweg an die Entwicklung von Bruttolöhnen und -gehältern gekoppelt. Wenn also Löhne nicht steigen, gibt es auch keine Rentenerhöhungen, wie in den Jahren der Nullrunden.

Selbst das ist nicht die Wahrheit, denn waren laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes die Höhe der Durchschnittsrente im Jahr 1975 noch mit 48,5 Prozent bei etwa der Hälfte der Durchschnittslöhne, so sind sie im Jahr 2015 nur noch 38,8 Prozent, also auf fast nur noch ein Drittel der Durchschnittslöhne abgesunken. Wie das trotz der 1957 festgeschriebenen Klausel zustande kommt, verschweigt Nahles lieber, denn in Wahrheit befindet sich unsere Rente in einer ganz erheblichen Schieflage.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kann man gut als Indikator des gesellschaftlichen Reichtums – Summe aller Waren u. Dienstleistungen in einem Jahr – betrachten. Es ist in 25 Jahren, grob gesagt, um 37 Prozent gestiegen. Dagegen erhöhten sich die realen Löhne von 1990 bis 2015 lediglich um 4 Prozent und lagen damit um ganze 2 Prozent über dem Niveau von 1991. Die realen Renten sind also ständig gefallen, auf aktuell -9 Prozent.

Seit 2003 ist deutlich die gewollte Entkopplung von der Lohnentwicklung zu erkennen. 2015 betrug die Spreizung der Rente zu den Löhnen schon 13 Prozent. Der Abstand der Renten- zur Lohnentwicklung soll bis 2030 um weitere 12 Prozent zunehmen.

Bei Betrachtung der Daten bekommt man einen Eindruck davon, wie niederträchtig und durchtrieben die Propaganda von der Ausbeutung der Jungen durch die Alten ist. Ausgebeutet werden zuerst die arbeitenden Menschen (Reichtumssteigerung: 37 Prozent, Lohnsteigerung: 4 Prozent) und die Rentner werden noch einmal gesondert zur Ader gelassen (-9 Prozent). Nahles hofft wohl, dass die „sozial Schwachen“ zu dämlich sind, die Komplexität alternativloser Politik zu begreifen.

Von Benno Thiel

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