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Wattebällchen bis zum Umfallen

TV-Duell Wattebällchen bis zum Umfallen

Gregor Johannsen aus Dummerstorf

Dummerstorf. Vom Duellieren Einem Duell sind keine Waffen vorgeschrieben. Der Herausforderer bestimmt die Waffen. Das können Pistolen, Säbel, Fäuste, Worte oder Wattebällchen sein. Ich hörte neulich ein Mädchen ihrer Mutter am „Brunnen der Lebensfreude“ zurufen, dass sie sie mit Wattebällchen bewerfen würde, bis sie umfallen würde. Das, was Frau Merkel und Herr Schulz mir im Fernsehen am Sonntag vorführte, war kein Duell, es ähnelte eher der Szene am Rostocker Brunnen. Aber es war Grund genug, dass ich darüber nachdachte.

Zunächst, wer hat wen herausgefordert? Aus dem Spektakel war es nicht zu erkennen. Da kam mir irgendwie das wohlige Gefühl auf, dass es vielleicht auch anders geht. Wenn ich Frau Merkels Argumente zur Zuwanderung der letzten Jahre höre und ihre Lösungsvorschläge, so könnten damit der Weg geebnet werden, einerseits Zuwanderung als Potenz zu nutzen und andererseits diese auch steuern zu können. Dieser Weg impliziert natürlich die Einzelfallungerechtigkeit, wenn beispielsweise alle Maghreb- Länder als sichere Staaten eingestuft werden. Herr Schulz dagegen favorisiert grundsätzlich eine Einzelfallentscheidung für zurückzuführenden Asylsuchenden. Auch ein Weg der gangbar ist, sofern all die Voraussetzungen dafür geschaffen werden können. Beide Duellanten waren verblüfft darüber, dass sie sich gegenseitig recht gaben.

Als zweite Frage wäre zu klären, welches ist der Gegenstand dieses Duells? Hier gibt es eine Antwort, die bei jedem Duell, soweit mir bekannt ist, zutrifft. Es ist das Begehren um die Liebe. In diesem Fall die Liebe zu unserem Volk. Wie immer, schon seit der Antike und vermutlich auch davor, dreht sich alle darum. Nun, ich bin ein Teilchen dieses Volkes, meinetwegen duellieren sie sich also. Um meine Liebe zu erhalten, versprechen sie mir, sich überbietend: Wohlstand, Sicherheit, reine Luft, geräuschlose Mobilität, gesunden Fußes das Alter zu genießen, Frieden. Was will ich mehr? Eigentlich unterscheiden sie sich nur über den Weg, der in dieses Schlaraffenland führt. Um die Gabe des Weges dorthin als Liebespfand schätzen zu können, habe ich lediglich die Möglichkeit seinen bisherigen Verlauf zurückzuverfolgen. Obwohl ich etwas übergewichtig bin, glaubte einen bisher die Atmung nicht behindernden Diesel zu fahren, Urlaub in Spanien mache und das ganze Jahr Bananen essen kann und auch noch für den Frieden singe, macht mir der Rückblick ein schlechtes Gewissen. Sollte es möglich sein, dass ich mein Einkommen mit der Herstellung dieser kleinen Zulieferteile für Waffen, die nach Saudi-Arabien exportiert werden, verdiene? Sollte es möglich sein, dass die so schön kompakte Autobatterie eines E- Autos, mit dem ich liebäugele, bereits hunderte kranke Mineure in Afrika auf dem Buckel hat? Sollte es sein, dass die Rohstoffe der sogenannten dritten Welt bis zu mir, auf meinen täglichen Teller gepumpt worden sind und nun die Bewohner dieser Welt hinterdrein kommen, um von meinem Teller mit zu löffeln? Nein, dafür solltet ihr euch nicht duellieren lieber Martin und liebe Angela.

So kommt sie denn, wie sie kommen muss, die dritte und letzte Frage: Wofür lohnt sich ein solches Duell? Also, meine Zuneigung würden sie beide sofort verlieren, wenn sie mir mein Auto nehmen, meinen Arbeitsplatz auflösen, mich mit 80 in Rente schicken und mir eine Hungerkur mit hiesigen Brennnesseln aufzwingen. Entwickelt stattdessen eine Idee des Umsteuerns, behutsam und damit wirkungsvoll. Es muss doch möglich sein, ein menschenwürdiges Leben zu führen, ohne dass andere unwürdig leben oder sterben müssen. Im Übrigen erinnere ich mich nicht nur Teil des Volkes zu sein, sondern in dieser Eigenschaft auch der Souverän zu sein. Also eilig ans Werk politischer Apparat aller demokratischen Parteien, suchen und finden sie nach einer Wandlung unseres Schlaraffenlandes. Öffnen sie behutsam seine Grenzen, dass der süße Brei abfließen kann. Dann ist niemand genötigt ihn in Deutschland zu suchen und mir wäre es egal welche Farbe regiert, da sie die neue Idee nicht im Duellieren gebären können, sondern dazu kooperieren müssen.

Gregor Johannsen

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