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Zu Ex-Spitzenmann raus aus der SPD (19.9.2017)

Kritik an Partei-Politik Zu Ex-Spitzenmann raus aus der SPD (19.9.2017)

Gregor Johannsen aus Dummerstorf

Dummerstorf. Zu Ex-Spitzenmann raus aus der SPD (19.9.2017) Wenn es so ist, dass im Alter die wohlweise Überlegung die Spontanität dominiert, dann gibt mir der Austritt von Herrn Dankert aus der SPD ein Gefühl, wie beim Betrachten der Sixtinischen Madonna in der Gemäldegalerie Alter Meister Dresdens.

Der Vorhang vor dem Geheimnis wird ein klein wenig beiseite gerafft und erlaubt einen winzig kleinen Blick hinter die einfache Struktur des Allmächtigen, hier im Artikel ist die Parteimacht gemeint. Sie muss derartig von Existenzängsten geprägt sein, dass nichts anderes zählt, als der Zugehörigkeitsausweis zu eben dieser Partei. Fachlichkeit, Persönlichkeit, Kompetenzen außer der des Treueeides zu dieser Partei, kommen grundsätzlich nicht an erster Stelle.

Meine Großmutter hat schon anno dazumal gesagt, dass ich nichts von Politik verstehe. Das glaube ich ihr, aber ich wollte dennoch wissen, warum ich nichts davon verstehe. Ein Beispiel: Ein hohes Tier, wie man so schön sagt, besuchte einst eine Lehrförsterei im schönen Mecklenburg. Er trug das Banner der großen demokratischen Partei und sollte dank seiner Hoheit die berühmten Fördermittel aus der Landeskasse flüssigmachen, die der Lehrförsterei das Überleben sichern konnten. Nunmehr war der Bürgermeister dieser Gemeinde auch zu jenem Treffen eingeladen, welcher natürlich einer demokratischen Partei angehörte, die aber eine andere Farbe zu der ihren erklärt hatte. Sie standen sich gegenüber, konnten kein Wort miteinander reden, ohne dem gerade Referierenden absolutes Unverständnis zu entgegnen. Zum Abschied teilten sie mir unisono, aber so, dass es der jeweils andere nicht hören konnte, mit, dass sie zu einer solchen Konfrontation nicht wiedererscheinen würden. Jeder der beiden Parteisoldaten wollte die zu erwartende gute Tat, die den Fortbestand der Lehrförsterei in Aussicht stellte, für sich als Sieg an der Parteienfront vermelden. Der Gedanke einer Kooperation war ihnen offensichtlich unbekannt oder suspekt. Aber dieses Erlebnis führte mich etwas Näher an die Erkenntnis heran, warum ich davon nichts verstehe.

Deutlich mehr an Einsicht brachte mir eine vor lange Zeit an mich gestellte Anfrage. Man hielt mich für fähig, ein Politiker zu werden. Dazu sollte ich all mein Denken und all meine Kompetenz einer der großen demokratischen Parteien einordnen und dass, was sich nicht ordnen ließ, einfach entsorgen. Meine Frau bemerkte schon immer, dass ich viel zu viel aufbewahre und endlich in den Regalen etwas Platz machen sollte. Ich bin kein Freund des Entsorgens und ich erinnerte mich der Worte meiner Großmutter. Meine Antwort, dass ich das angetragene Amt als Politiker ohne Partei gedenke auszuüben, stieß auf arges Misstrauen. Ich fühlte förmlich Feindschaft in der Atmosphäre des Gesprächs aufkommen. Zugegeben, ganz verstand ich meine Antwort auch nicht, aber ich hatte begriffen. Politik hat nichts mit Parteiergreifen zu tun. Nein, man muss Partei sein. Nur dann ist man davor gefeit, möglicherweise durch Parteiergreifen einer Alternative zu verfallen. Wenn sie mit keiner andern Partei korrespondiere mag es noch gehen, aber wehe sie tut es. So kommt es, dass hochgeschätzte Menschen, die ordentliche Berufe erlernt haben, wie Kahn Schipper, Discotheker, Dachdecker usw. sich mit einer Parteifarbe uniformieren und dann natürlich nicht wiederzuerkennen sind. So erklärte mir ein befreundeter junger Mann, nach dem ich ihn für ein paar Jahre wegen seiner Bundestagsmitgliedschaft aus den Augen verloren hatte, dass er eigentlich gar keine Lust habe, auf eine Studienreise nach Südamerika zu gehen. Aber man nehme eben alle Möglichkeiten mit, die sich einem in dieser Stellung böten. Er konnte es mir nicht weiter erklären, da das Auto des Fahrdienstes, der für solche wichtigen Leute existiert, vorfuhr und ihn mit sich nahm. Ich stand nun vor dem Seiteneingang des Hauses, dass den Dienern des deutschen Volkes Obdach und Bühne bot und sagte mir immer wieder, nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt schließlich einen Herrn Dankert. Dann schlenderte ich langsam in die letzte Instanz. Meine Großmutter hatte so recht, obwohl sie das Bild der Sixtinischen Madonna nie gesehen hat.

Gregor Johannsen

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