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Junge Frau will in die Landwirtschaft

Hohen Gubkow Junge Frau will in die Landwirtschaft

Kirsten Lange wird Landwirtin / Sie meint: Wer sonst soll die Menschen mit Lebensmitteln versorgen

Beim Landjugend-Wettbewerb in Hoppenrade zeigte Kirsten Lange, was sie von Kühen versteht.

Quelle: Foto: Frank Söllner

Hohen Gubkow. Wo genau sie einmal arbeiten wird, kann Kirsten Lange noch nicht sagen. „Es gibt da ja so viele Möglichkeiten.“ Vielleicht in der Tierzucht. Über Mutterkühe und Fleischrinder spricht die 19-Jährige voller Begeisterung. Aber auch für das, was Tiere fressen – das richtige Futter – interessiert sich die junge Frau. Auf jeden Fall sieht die gebürtige Rostockerin ihre Zukunft in der Landwirtschaft. An der Agrarfachschule in Güstrow steckt sie gerade in den Abschlussprüfungen.

Dorthin war sie vom Sanitzer Gymnasium gewechselt, um die Fachhochschulreife mit einer Berufsausbildung zu kombinieren. „Ich will in Neubrandenburg Agrarwirtschaft studieren.“ Die Kombi-Ausbildung biete ihr „mehr Fachbezug“ und deshalb eine gute Vorbereitung aufs Studium. Und nicht nur das: Auch für den Landesausscheid im Berufswettbewerb der Landjugend hatte sich die Mecklenburgerin qualifiziert und gezeigt, dass sie auf dem Acker und im Stall schon allerhand draufhat. Kirsten Lange weiß, worauf sie sich in der Landwirtschaft einlässt.

Drei Mutterkühe mit Kälbern, zwei Schweine für den Eigenverbrauch – so ist Kirsten aufgewachsen. Auf dem Hof, den ihre Urgroßeltern 1929 als Siedler in Hohen Gubkow bei Rostock gründeten. Heute führen Kirstens Eltern den Hof im Nebenerwerb, zusätzlich zur Arbeit als Ergotherapeutin und Schichtleiter in einem Rostocker Betrieb. „Landwirtschaft ist wichtig“, ist die junge Frau überzeugt. „Wer sonst soll die Menschen mit Lebensmitteln versorgen?“ Neulich habe jemand gefragt, ob sie sich nicht einen „aussterbenden Beruf“ ausgesucht hat. Das empört sie bis heute. „Ohne Bauern gibt es nichts zu essen. Auch die Landschaft wäre nicht so grün, wenn Bauern nicht die Felder bestellen“, bricht Kirsten eine Lanze für ihre Zunft. Dass fruchtbare Böden wie in der Magdeburger Börde zu Industriegebieten umfunktioniert werden, dafür hat die künftige Agrarfachfrau kein Verständnis.

Aber: „An einer gesellschaftlichen Diskussion zur Zukunft der Landwirtschaft kommen wir nicht vorbei“, sagt Agrarminister Till Backhaus (SPD). Eine Masterplan-Kommission erarbeitete Empfehlungen für eine „ökologisch verantwortliche, ökonomisch tragfähige Wirtschaftsweise“. Der Träger des Alternativen Nobelpreises, Michael Succow, hatte schon 2012 in der OSTSEE-ZEITUNG zur „Agrarwende“

aufgerufen. An seiner Meinung hat sich nichts geändert: „Dieses Land ist zu schade für Massentierhaltung“, sagt Succow. Landesbauernpräsident Detlef Kurreck hält dagegen: „Wir werden hier kein landesweiter Nationalpark.“ Landwirtschaft sei Wirtschaft, müsse sich am internationalen Markt orientieren und so viel einbringen, dass Bauern ihre Familien ernähren können. Kurreck weiß aber auch:

„Wir müssen sensibler für den Zeitgeist sein.“Ab 2018 werden Hähnchen-Schnäbel nicht mehr gekürzt, Ferkel nur noch mit Betäubung kastriert – Tierwohl und Umweltbelange müssen küntig stärker berücksichtigt werden.

Agrarwirtschaft in Zahlen

1,34 Millionen Hektar Agrarfläche gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Der Boden wird von 4900 Betrieben mit 24000 Beschäftigten bewirtschaftet. Von den 3000 Familienbetrieben werden 52 Prozent im Nebenerwerb geführt. Öko-Bauern nutzen 126000 Hektar (9,2 Prozent).

Angebaut werden vor allem Getreide und Raps, außerdem Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Futterpflanzen. Auf etwa 4000 Hektar wachsen Obst und Gemüse. Die Landwirte halten 547 400 Rinder, 782400 Schweine und Schafe, außerdem Geflügel (rund 10 Millionen Tiere) – vor allem Hähnchen und Legehennen.

Elke Ehlers

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