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Kultur wächst an der Küste

Rostock Kultur wächst an der Küste

Im Tourismusland MV blühen kleine und große Kulturblumen – bunt sind sie alle

Blick auf das Ozeaneum im Stralsunder Hafen. Das moderne Haus des Deutschen Meeresmuseums mit seinen 40 Großaquarien gilt als besucherstärkstes Museum in MV.

Quelle: Foto: Stefan Sauer/dpa

Rostock. In der Wirtschaft wird so gern von Wachstumsmärkten, Standortfaktoren und 1-A-Destinationen gesprochen. Das alles existiert auch auf dem eher weichen Segment der Kultur – und es wird ebenso gern vergessen. Mecklenburg-Vorpommern ist ein noch junges Bundesland, das im kulturellen Bereich seit Jahren stetig wächst. Langsam und eher unauffällig.

Aber allein die Tatsache, dass MV als Tourismusland ein immer wichtigeres Reiseziel für deutsche Urlauber und auch für Gäste aus dem Ausland wird, verändert das Land im Nordosten permanent. Urlauber wollen nicht nur am Strand liegen, in der Sonne brutzeln, baden geghen, Eis schlecken und Sandburgen bauen. Der Museumsbesuch, das Konzert, ob philharmonisch im altehrwürdigen Theater oder Open Air, ob rockig, klassisch, volkstümlich oder jazzig gehören ebenso dazu. Gerade Familien differenzieren heute kaum noch in den Kategorien Unterhaltung versus Anspruch – Kultur ist auch, was gefällt. Und da ist Mecklenburg-Vorpommern zum Teil auf einem guten Weg. Von daher ist die Entscheidung zum Abbau der Theaterlandschaft im Land auch grundfalsch.

Zahlreiche kleine und große Anbieter, Platzhirsche wie die Störtebeker Festspiele in Ralswiek auf Rügen oder die Festspiele MV mit mehr als 120 Konzerten pro Sommersaison geben dem Land ebenso ein attraktives Gesicht wie Nischenangebote, Open Airs und kulturelle Kleinode, die auf sehr viel persönliches Engagement zurückgehen wie die Opernale in Griebenow oder Konzertevents oder Kunstangebote in Gutshäusern von Papendorf bis Plüschow. Dazu die Perlenkette der Museen vom Staatlichen Museum Schwerin, der Kunsthalle Rostock, dem Kunstmuseum Ahrenshoop, den kulturhistorischen Museen, dem Pommerschen Landesmuseum Greifswald, dem Stralsunder Meeresmuseum mit dem Ozeaneum und kleineren Einrichtungen wie der Kunsthalle Kühlungsborn oder „De Drome“ in Kröpelin. Erfolgsgeschichten, die auf persönliches Engagement zurückgehen.

MV ist nicht Berlin, keine Metropolregion wie der Großkölner Raum und keine Region, die mit potenten Geldgebern wuchern kann. Baden-Baden ist ebenso weit weg wie Bayreuth. Hier wird Kultur geackert, malocht. Hier müssen verdammt dicke Bretter gebohrt werden, um kulturell überleben zu können. Darin liegen Chancen für die Zukunft. Denn die Strukturen sind nicht verkrustet. Wer mit offenen Augen und einem journalistischen Grundinstinkt durchs Land fährt, wird jede Menge tolle Geschichten und Menschen treffen. Die ins Blatt zu holen und vorzustellen, ist für Kulturredakteure keine Pflicht, sondern ein Vergnügen.

Michael Meyer

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