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Alternative Wirklichkeiten

Alternative Wirklichkeiten

Was alles so auf den Bildschirm kommt ... von falschen Fakten und richtig guten Ideen

Es war eine von diesen erfundenen Olli-Dittrich-Reportagen, die mit der Zeit immer seltsamer werden. „Der Meisterreporter – Sigmar Seelenbrecht wird 81“ (ARD, 15. Juni, 23.30 Uhr) widmete sich einem deutschen Enthüllungsjournalisten, den es nicht gibt. Bereits der gewählte Anlass deutete an, dass an der ganzen Chose etwas nicht stimmt: Wer macht schon eine Reportage zu einem 81. Geburtstag? Olli Dittrich schon, er war im Form wie immer, aber diese Geschichte zerfaserte langsam. Das legendäre Interview, das der WDR-Journalist Friedrich Nowottny 1972 mit Willy Brandt führte (in dem der damalige Kanzler die Fragen lediglich mit Ja oder Nein antwortete) war eine der Quellen für diese Inszenierung. Was ist wahr? Was ist nur teilweise wahr? Und was ist komplett falsch? Das ist das Spiel von Olli Dittrich. Der Mix aus neu gedrehten Szenen und aufbereitetem Archivmaterial ist eben genau das, was man heute Fake-News nennt. Damit war Olli Dittrich bereits seiner Zeit voraus – und das war jetzt schon seine siebente schräge TV-Persiflage.

Arte hatte unlängst einen bei uns selten gezeigten französischen Trickfilmklassiker ins Programm genommen, der sich wirklich lohnte: „Der wilde Planet“ (12. Juni, 21.55 Uhr) war in seiner Anlage echt beunruhigend. Auf dem Planeten Ygam leben die Draags, die sich sogenannte „Hausmenschen“ halten, die Oms. Diese wiederum lehnen sich gegen ihre Herrscher auf und beginnen einen kleinen, aber blutigen Krieg. Das klingt jetzt ein bisschen platt, aber in der Wirkung bewegend bis verstörend. Menschen als Haustiere! Vielleicht war es auch die unterschwellige Botschaft, sich keine Haustiere zu halten? „Der wilde Planet“ fasziniert durch seine beeindruckende Optik, angelegt ist dieser Film in den schrillen Farben der Frühsiebziger. Eine Weile lag dieser Streifen noch in der Arte-Mediathek herum, jetzt isser leider wieder weg.

Zu den Kronjuwelen des NDR Fernsehens gehört immer noch der „Tatortreiniger“. Die Episode „Anbieterwechsel“ (12. Juni, 23.30 Uhr) lief innerhalb der ARD-Themenwoche „Woran glaubst du?“ und war wieder mit köstlichen Dialogen gespickt. Allein die Idee, dass es eine Agentur geben könnte, die maßgeschneiderte Religionen anbietet, war Gold wert. So folgte eine philosophische Diskussion zwischen Heiko Schottmann, der eher praktischen Erwägungen folgt, und der verkaufsorientierten Angestellten. Herrlich. Ist noch bis zum 15. Juli in der NDR-Mediathek zu sehen!

OZ

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