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Das Grauen bekommt viele Gesichter

Das Grauen bekommt viele Gesichter

Was alles so auf den Bildschirm kommt ... Unterhaltung an einem langen Sonntag

Eine zuverlässige Abspielstation für allerlei B-Movies ist immer noch der Sender Tele 5. Dort sind Filme zu sehen, die anderswo wohl aus geschmacklichen Gründen keine Chance bekommen. Wie zum Beispiel der kanadische Horrorfilm „Das Grauen“ (9. April, 0.40 Uhr), eine Produktion aus dem Jahr 1980. Damals hat man sich noch Zeit für einen langsamen Spannungsaufbau genommen, um es immer spukiger werden zu lassen. Das kann man auch heute noch nebenbei weggucken. Tele 5 widmet sich auch vielen Schrottfilmen mit den Helden von einst, wie Chuck Norris, Sylvester Stallone oder Tommy Lee Jones. Aber man muss vorher ganz genau in die TV-Zeitschrift schauen, welche Art von Schrott Tele 5 gerade ausliefert.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen zeigt immer wieder, dass es die Aufgabenstellung etwas aus den Augen verloren hat. Eigentlich soll es „zur Information, Bildung, Beratung, Kultur und Unterhaltung einen Beitrag zur Sicherung der Meinungsvielfalt und somit zur öffentlichen Meinungsbildung“ leisten, so will’s der Rundfunkstaatsvertrag. Aber was ist z. B. mit Sendungen wie „Bares für Rares“ (ZDF, 9. April, 12.30 Uhr)? Das Thema: Verkauft sich Trödelkram? Oder nicht? Und falls ja, zu welchem Preis? Am Ende ein unwürdiges Geschachere bei Antiquitätenhändlern, die reichlich Bargeld bei sich tragen. Die Geldübergabe wird oft mit einer Deckenkamera gefilmt, damit es überhaupt mal was Verrücktes zu sehen gibt. Und die Verkäufer sehen auch nicht so aus, als würden sie dringend Geld brauchen. Sie liefern eher abenteuerliche Begründungen wie „Ich will nach Thailand fliegen“ (Stefan, 63, Gastronom) oder „Unsere Tochter braucht ein neues Fahrrad“ (Hille, 50, Marketing-Mitarbeiterin). Bedürftigkeit sieht anders aus. Eine Sendung als Zeittotschlag für Zuschauer, die den Sonntag irgendwie herumbekommen müssen.

Aber es ist ja nicht immer und nicht überall so schlimm. Dass ein Sender wie 3sat seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag weiter ernst nimmt, zeigte sich z. B. mit der Ausstrahlung des Spielfilms „Ein fliehendes Pferd“ (9. April, 21.50 Uhr). Das war die 2007 entstandene Verfilmung des gleichnamigen Romans von Martin Walser. Nicht nur eine hochklassige Literatur-Adaption, mit der man alle genannten Aufgaben aus dem Rundfunkstaatsvertrag als erfüllt betrachten kann, auch Teil einer feinen Filmreihe mit Ulrich Tukur, die 3sat gerade abspult.

OZ

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